Oesterheld

Die Familie Oesterheld

Héctor German Oesterheld, geb. 1919, war in Argentinien eine überaus bekannte Persönlichkeit als der "Vater" der Comic-Figur "Eternauta". Diese Figur ist in Argentinien so bekannt wie hierzulande vielleicht Asterix. Seine 4 Töchter, hochbegabte und gebildete junge Frauen, waren politisch engagiert, und auch Vater Oesterheld ließ seine Comicfiguren immer deutlicher Stellung beziehen zu den Vorgängen im Land unter der Diktatur.

Beatriz Oesterheld

Als erste "verschwand" Beatriz, die zweitjüngste Tochter, 20jährig im Juni 76. 14 Tage später wurde der Familie ihr Körper von der Polizei überbracht. "Wir waren's nicht, " beeilte sich der Kommissar zu versichern, " es waren die vom Heer". Die anderen Schwestern und ihre Männer tauchten unter. "Ich wußte niemals, wo sie wohnten, "berichtet ihre Mutter, Elsa de Oesterheld. "Sie wollten es so, zu meinem Schutz. Gelegentlich ließen sie mir über Freunde Nachricht zukommen.

 

 

 

 

 

D
iana Oesterheld

Einen Monat später "verschwand" Diana, 22 J., in Tucumán. Sie war im 6. Monat schwanger, und man weiß, dass sie im Militärkrankenhaus von Campo de Mayo ihr Kind gebar. Dort funktionierte eine der beiden "geheimen Entbindungsanstalten" für die Gefangenen. Von Mutter und Kind fehlt seitdem jede Spur, genauso wie von ihrem Ehemann Raúl. Das ältere Kind von Diana und Raúl blieb bei Raúls Eltern.

 

 

 

Hector Oesterheld

Am 3.6.77, ein Jahr nach dem Verschwinden der ersten Tochter, kam eine der berüchtigten "Arbeitsgruppen", um Héctor Oesterheld, den Vater, abzuholen. Zahlreiche Zeugen berichteten inzwischen, dass sie ihn im Lager "Vesubio" gesehen hatten, und später im sogenannten "Sheraton".

Dort wurde er zusammen mit einer Gruppe Intellektueller gefangengehalten, die zu bekannt waren, um sie einfach umzubringen. Frau Oesterheld wusste nichts vom Verbleib ihres Mannes, bis 1 Jahr später ein Wächter des "Sheraton" ihr ihren dreijährigen Enkel Martin übergab . Zu dieser zeit lebte Héctor Oesterheld noch.

Amnesty International und Kollegen Oesterhelds aus Frankreich und Belgien, berühmte Comiczeichner wie er, starteten eine Kampagne, doch sie konnten ihn nicht retten.

 

 

Estela Oesterheld

Am 14.12.77 drang eine "Arbeitsgruppe" wild um sich schießend in die Wohnung der ältesten Tochter Estela ein. Estela, 25 J. und ihr ein Jahr älterer Mann starben von Kugeln durchsiebt. Den 3jährigen Sohn nahmen die Angreifer mit. Nach wenigen Tagen wurde er jedoch der Familie übergeben.

 

Marina Oesterheld

Freunde überbrachten die Nachricht der Mutter Elsa. Und über andere Freunde kam etwa zeitgleich die Nachricht, dass die letzte noch verbleibende Tochter, Marina, die Jüngste, bereits Anfang November "verschwunden" sei. Und dass sie zum Zeitpunkt des Verschwindens im 8. Monat schwanger war. Elsa hatte zuletzt keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt, da Marina sich versteckt gehalten hatte. Deshalb wusste sie nicht einmal, dass ihre Tochter schwanger war.

 

 

 

 

 

"Als ich diese Nachricht erhielt, war ich fast erleichtert, erleichtert dass es vorbei war. Das dauernden Warten auf eine weitere Schreckensnachricht. Jetzt war niemand mehr übrig", sagt Elsa.


Als wenige Tage später eine "Arbeitsgruppe" in Elsas Wohnung erscheint, um sie zu einer "kurzen Befragung" abzuholen, hatte sie vor nichts mehr Angst. Man könne sie auf der Stelle umbringen, das sei ihr egal, ließ sie die Angreifer wissen, aber sie werde nirgendwo hingehen. Was mag sie noch gesagt haben, diese Frau, die alles hinter sich hatte? Die Soldaten verließen danach die Wohnung.

Der Fall der Familie Oesterheld gehört zu einer neuen Gruppe von Fällen, die als Opfer von Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingereicht werden. Es liegt deutsche Abstammung vor (Héctor Oesterhelds Großvater Augusto von Oesterheld stammte aus Bremen), aber keine deutsche Staatsbürgerschaft.