Eine Veranstaltung für die Wochen gegen Rassismus 2025
Am 14. Oktober 2024 startete das P-Seminar DenkMal des Dürer-Gymnasiums Nürnberg (verantwortliche Lehrkraft Tina Braune) seine Zeitreise in die Vergangenheit der Frankenmetropole. In Kooperation mit der Theaterpädagogik Abteilung PLUS des Staatstheaters Nürnberg (dramaturgische Begleitung Janik Goldberger) sowie des Nürnberger Menschenrechtszentrums e.V. (NMRZ; Forschungsbegleitung Dr. Otto Böhm und Maria Geisler) gestaltete das Seminar eine szenische Führung durch die Altstadt für die Wochen gegen Rassismus 2025. Unter dem Titel „Denk!Mal! Alltäglich. International. Menschlich.“ wurden durch die dramaturgisch inszenierten Stationen nicht nur längst vergangene Zeiten und ihre Menschen wieder lebendig, sondern auch Ereignisse aus der jüngsten Vergangenheit samt ihren Nachwirkungen mit aktuellen Themen zu Internationalität, (Anti-)Rassismus und Politik verknüpft. Hinter so manchen Orten, an denen man im Alltag schnell vorbeihuscht, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen, verbergen sich nämlich kleine Geheimnisse, die durch die Schüler*innen gelüftet wurden.

Nach monatelanger intensiver Recherche zu bewusst ausgewählten Schwerpunkten, um ein möglichst vielfältiges Spektrum abzudecken, sowie anspruchsvollen Proben konnte die Stadtführung am 24. März 2025 aufgeführt werden. Zunächst wurden die rund 15 Besucher*innen vor dem Haupteingang des NMRZ begrüßt, bevor es zur ersten Station am Denkmal für die ehemalige Hauptsynagoge mit einer Gedenktafel für Leo Katzenberger ging. Hierbei zeigten die Schüler einen kurzen Einblick in den NS-Schauprozess gegen Katzenberger, welch großes Unrecht ihm durch das Nazi-Regime widerfahren ist und weshalb die Erinnerung an ihn und den Millionen weiteren Verfolgten und Ermordeten der jüdischen Bevölkerung Europas noch immer so wichtig ist.

Bei der nächsten Station wurde auf das Schicksal des Ehepaars Sarah und Lemel Berger eingegangen, das – bis zur Deportation bei der sogenannten „Polenaktion“ 1938 und Ermordung im Vernichtungslager Belzec – im Nürnberger Heugäßchen 2 lebte und ein Lederwarengeschäft führte. Zwei für sie am 18. September 2015 verlegte Stolpersteine, erinnern bis heute an sie. Die zwei Schülerinnen, die sich mit dem Thema auseinandersetzten, putzten die Stolpersteine und führten ein fiktives Gespräch zwischen den Eheleuten, in dem es um eine mögliche Flucht nach Palästina ging, wo bereits ihre Kinder sich ein neues Leben aufbauen konnten.

Die dritte Station befand sich am Hauptmarkt und thematisierte die enorme Bedeutung Nürnbergs als frühes international verknüpftes Handelszentrum zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert sowie dem Landsknecht Hans Wild. Dieser wurde in den Türkenkriegen gefangengenommen, innerhalb des Osmanischen Reichs als Sklave verkauft und gelangte als eines der ersten christlichen Europäer nach Mekka und Medina. In seinem 1623 erschienen Reisebericht, schrieb er seine Erinnerungen nieder und räumte mit so manch einem Vorurteil über den Islam auf. Anhand dieser beiden Themen zeigten drei Schülerinnen auf, wie wichtig eine solide und fundierte Recherche ist, um falsche Behauptungen entgegenzuwirken und generell zu vermeiden.

Am Köpfleinsberg befand sich die vierte Station der Stadtführung. Hier setzten sich drei Schüler mit der Kolonialgeschichte Deutschlands auseinander, da 1998 an diesem Ort eine Bronzetafel angebracht wurde, die auf den Völkermord an den Nama und Herero zwischen 1904 und 1908 erinnert. Dabei schlüpften sie in die Rollen von Hendrik Witbooi (eigentlich !Nanseb |Gabemab) als Kaptein der Orlam, und Lothar von Trotha, stellvertretender Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, sowie eines Erzählers, die ein fiktives Streitgespräch über Kolonialismus führten. Zurück in der Gegenwart klärten die drei Schüler über die Nachwirkungen und Aufarbeitung auf.

Die fünfte szenische Station war der Kornmarkt, da hier das Gewerkschaftshaus steht und er der klassische Ort für Demonstrationen in Nürnberg ist. Passend dazu traf ein zeitreisender Arbeiter, der soeben noch auf einer Demo von 1889 war, auf einen modernen jungen Mann von 2025, dessen Großvater ihn über die internationale Bedeutung der Arbeiterbewegung und die Schwierigkeiten, die Gastarbeiter*innen hierzulande erlebten, aufklärte.

Das NSU-Mahnmal war die sechste Station des Rundgangs, bei dem zwei Schülerinnen sich intensiv mit den Opfern auseinandersetzten. So zeigten sie die Fehler in den polizeilichen Ermittlungen auf, welche belastenden Vorurteile den Angehörigen seitens der Öffentlichkeit entgegengebracht wurden, aber auch die Eckpunkte der Debatte um den Standort des Mahnmals. In Gedenken an die Opfer wurde eine Schweigeminute gehalten.

Bei der letzten Station in der Straße der Menschenrechte knüpfte das P-Seminar Verbindungen zwischen ihren Stationen und den einzelnen Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Durch die Existenz oder Beachtung dieser Rechte wären die Schicksale der Menschen, mit denen sich die Schüler*innen sechs Monate lang beschäftigten, anders gewesen. So forderten die Schüler*innen als Schlussakkord auf, die Menschenrechte immer zu achten.

Zur großen Freude aller Teilnehmer*innen war das Publikum begeistert, sodass es die Schüler*innen mit Lob und Applaus überschüttete. Einige meinten, dass sie „was gelernt hätten“ und die Führung „genial“ gewesen sei, „da es Nürnbergs Stadtgeschichte von einer ganz anderen Seite zeigte“. Die Schüler*innen können zurecht stolz auf sich sein und haben einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen. Das Ziel wurde vollkommen erreicht.