Gerd
Hankel: Die UNO. Idee und Wirklichkeit
Hamburger Edition, Hamburg 2006, 126 Seiten
Der
Jurist und Sprachwissenschaftler Gerd Hankel unternimmt es in
diesem schmalen Band, in einem langen Atemzug die Geschichte der
UNO seit ihrer Gründung bis in die jüngsten Reformansätze
Revue passieren zu lassen und sie dabei nach der Einlösung
der selbst bzw. ihr von den Mitgliedstaaten gestellten Aufgaben
zu befragen. Dabei gelingt ihm eine dankenswerte Konzentration
aufs Wesentliche: die Aufgabe der Friedenserhaltung, die Menschenrechte
und die Förderung sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung.
Der weite Bereich der den UN-Sonderorganisationen zugewiesenen
Aufgaben bleibt weitgehend ausgespart.
In
seiner Darstellung verbindet Hankel profunde Sach- und Literaturkenntnis
mit einem gerade in Deutschland nicht eben häufigen Mut zur
pointiert zugespitzten Formulierung. Einige Kapitel, etwa das
zur Geschichte und Problematik der Entwicklungsidee und -politik
nicht nur in der UNO, geraten ihm zu einer regelrechten Philippika,
deren auch sprachlicher Kraft man sich umso weniger entziehen
mag, als seine Kritik sich nicht, wie oft genug, an die UNO allein,
sondern vor allem an die Regierungen wendet, die deren Politik
maßgeblich bestimmen. Gleichwohl scheut sich Hankel auch
nicht, etwa dem heute so hoch angesehenen Kofi Annan sein Versagen
angesichts des Völkermords in Ruanda und der Massaker in
Jugoslawien in deutlichen Worten vorzuhalten.
Wenn
einen der Text trotz dieser unbestreitbaren Vorzüge dennoch
ziemlich ratlos lässt, liegt das nicht am Inhalt sondern
an der Form. Ob es am Autor, oder wie zu vermuten ist, am Verlagskonzept
der Reihe liegt: Ein 126-seitiger Text kann nicht zugleich ein
aktueller Meinungsbeitrag und eine wissenschaftliche Arbeit sein.
Wenn diese Mischung die Absicht war, dann muss sie als misslungen
gelten. Das Buch hat weder ein Inhaltsverzeichnis noch auch nur
Kapitelüberschriften - man muss sich also wie in einen Roman
hineinstürzen, immer gespannt wo man am Ende herauskommt.
Gleichzeitig ist der Text aber mit zahlreichen Literaturnachweisen
gespickt, die freilich in bester schlechter altakademischer Manier
nur beim ersten Mal voll zitiert werden. Ein Literaturverzeichnis,
bei dem man auch an späterer Stelle die Quelle nachschlagen
könnte, fehlt wie jede sonstige Hilfestellung zur Lektüre
eines wissenschaftlichen Textes. Unter dieser Fehlkonzeption leidet
nicht nur der Leser, sondern am Ende auch der Autor. Denn vom
späteren Nachschlagen oder Nachlesen einzelner wichtiger
Gedanken, die man vielleicht noch mal vertiefen oder mit anderer
Lektüre vergleichen möchte, schreckt die Textgestalt
ab. Die Konzeption der Reihe sollte überdacht werden.
Rainer
Huhle