Presseinfo 2001

Presseerklärung                             Nürnberg 12. Juli 2001

 Haftbefehl gegen den Exgeneral Carlos Guillermo Suárez Mason erlassen  

(Hintergrundinformation: Entführung und Ermordung von Elisabeth Käsemann )

Am 11. Juli 2001 hat das Amtsgericht Nürnberg auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg Fürth Haftbefehl gegen den Exgeneral Carlos Guillermo Suárez Mason erlassen. Suárez Mason, ehemaliger Chef des 1. Heerescorps der Zone 1 der früheren Militärjunta, wird zur Last gelegt, für die Folter und Ermordung von Elisabeth Käsemann verantwortlich gewesen zu sein.

 Die Koalition gegen Straflosigkeit begrüßt diesen internationalen Haftbefehl nachdrücklich. „Das ist ein Durchbruch in Deutschland bei der internationalen Strafverfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen“ sagte der Sprecher der Koalition, Pfarrer Kuno Hauck. „Dieser Haftbefehl aus Nürnberg ist eine Botschaft der deutschen Justizbehörden, dass himmelschreiendes Unrecht nicht tatenlos hingenommen werden kann.“

 Für die Koalition gegen Straflosigkeit ist nun die deutsche Politik am Zuge. Pfarrer Kuno Hauck sagte: „Mit Blick auf den im August geplanten offiziellen Argentinienbesuch von Bundeskanzler Schröder ist dies eine Steilvorlage der deutschen Justiz. Die Angehörigen und die Koalition gegen Straflosigkeit erwarten, dass der Kanzler diesen internationalen Haftbefehl beim argentinischen Präsidenten Dr. Fernando de la Rúa vorbringen wird.“

„Es liegt am Bundeskanzler, ob diesem Haftbefehl Folge geleistet wird“ betonte der Sprecher der Koalition gegen Straflosigkeit. Die kirchlichen Hilfswerke und die deutschen Menschenrechtsorganisationen werden sehr genau beobachten, was der Kanzler zur Durchsetzung des Haftbefehls in Argentinien bewirkt.“

 Die Koalition gegen Straflosigkeit versteht den Haftbefehl auch als eindeutiges Signal an die Opfer und Familienangehörigen. „Dieser Haftbefehl ist der Anfang einer moralischen und juristischen Wiedergutmachung für die Opfer. Die Untätigkeit der Justizbehörden in der Zeit der Militärdiktatur hat tiefe Wunden geschlagen und das Vertrauen in den Rechtsstaat schwer erschüttert“, sagte der Anwalt des Falles Käsemann, Roland Beckert.

 Auf einem langen und schweren Weg, den der Vater der Verschwundenen Elisabeth Käsemann nach ihrem Verschwindenlassen 1977 begonnen hat, gibt es nach 25 Jahren einen neuen Hoffnungsschimmer. „Auch wenn Professor Ernst Käsemann dies nicht mehr miterleben kann, ist es insbesondere für die Familie und Freunde von Elisabeth Käsemann und für alle, die sich schon in den 70er Jahren für ihre Rettung eingesetzt haben, ein großer Tag“ erklärte Rechtsanwalt Beckert.

 Die Koalition gegen Straflosigkeit sieht sich durch diesen internationalen Haftbefehl gestärkt. „Suárez Mason ist nur der erste aus einer langen Liste von Verbrechern, die wir zur Anzeige gebracht haben. Wir erhoffen nun, dass auch in den anderen Fällen mit Nachdruck ermittelt wird“, erklärt Stefan Herbst von der Missionszentrale der Franziskaner. (Ende)

 Für Rückfragen:

 Koordinator: Esteban Cuya, Tel. 0911 - 230 55 50 FAX 230 55 51

Sprecher der Koalition: Kuno Hauck, 0176 - 21 10 22 50

Anwalt des Falles Käsemann: Roland Beckert, Tel 0761 - 20 27 70