Einladung zu einem Pressegespräch mit

Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel

zum Thema der deutschen Verschwundenen in Argentinien

14. März 2001, 12:30 Uhr, München, Ratskeller, Marienplatz 8

Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel wird am 14. März 2001 nach München kommen und mit Vertretern und Vertreterinnen aus Politik und Kirche Fragen der strafrechtlichen Verfolgung von argentinischen Militärs, die für das „Verschwindenlassen" von 100 Deutschen und Deutschstämmigen während der Militärdiktatur von 1976 – 83 verantwortlich sind, erörtern.

Hintergrund

 

Während der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien (1976 – 1983) sind rund 100 deutsche und deutschstämmige Männer und Frauen von den argentinischen Militärs entführt, gefoltert, ermordet und „verschwunden worden". Die Verantwortlichen für diese schweren Menschenrechtsverletzungen wurden bis heute nicht zur Verantwortung gezogen.

Aus diesem Grund hat sich 1998 in Deutschland, auf Bitte des argentinischen Friedensnobelpreisträgers Adolfo Perez Esquivel, die „Koalition gegen Straflosigkeit" gegründet.

Inzwischen wurden von der „Koalition gegen Straflosigkeit", im Namen der Angehörigen, 12 Strafanzeigen gegen argentinische Militärs eingereicht. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht Nürnberg-Fürth führt seit September 1998 Ermittlungen durch.

Am 24. März 2001 jährt sich der Tag des Militärputsches in Argentinien zum 25. Mal. Anlässlich dieses Tages veranstaltet die „Koalition gegen Straflosigkeit" am 21. März 01 ein Hearing im Reichstag zum Thema: „25 Jahre Militärputsch und Völkermord in Argentinien".

An diesem Tag wird die „Koalition gegen Straflosigkeit" auch eine Völkermordanzeige im Bundesministerium der Justiz einreichen.

Erstes deutsches Opfer aus München

Am 26. März 1976 wurde der 24-jährige Klaus Zieschank, ein Student der Münchner TU, in Buenos Aires von argentinischen Militärs entführt und galt als verschwunden. Er war der erste "verschwundene" deutsche Staatsbürger, der nur zwei Tage nach der Machtergreifung der Militärs das Opfer eines Menschenrechtsverbrechens wurde. Zwei Monate später wurde der mit Drähten gefesselte Leichnam von Klaus Zieschank (identifiziert 1985 durch einen dt. Wissenschaftler der Universität Ulm) im Flussbett des Rio de la Plata an Land gespült. Die schon damals vermutete Praxis der Militärs, Gefangene aus dem Flugzeug zu werfen, um jegliche Spur zu verwischen, wurde durch den Leichenfund bestätigt.

Im Fall des ermordeten Münchner Studenten Klaus Zieschank fordert die „Koalition gegen Straflosigkeit" den sofortigen Erlass eines internationalen Haftbefehles gegen den damaligen Militärjunta-Chef und Präsident General Jorge Videla und andere namentlich Beschuldigte.

 

 

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Besuchsprogramm in München

Folgende Gespräche / Treffen sind am 14. März 2001 vorgesehen:

10:30 Uhr Staatsminister Dr. Manfred Weiß, Bayerisches Justizministerium

11:00 Uhr Dr. Klaus Hahnzog, Vorsitzender des Ausschusses für Verfassungs- Rechts- und Parlamentsfragen des Bayerischen Landtages, sowie mit weiteren SPD-Mitgliedern

15:00 Uhr Joachim Hermann, stellvertretende Fraktionsvorsitzenden der CSU im Bayerischen Landtag

16:30 Uhr OKR Wolfgang Töllner und KR Wolfgang Döbrich,
Evang.-Luth. Kirche in Bayern

 

Für Rückfragen:

Sprecher der Koalition: Kuno Hauck Pfr., Kirchlicher Entwicklungsdienst Bayern

Tel: 0911 9354 352, oder 0179 70 511 28

Kampagnenkoordinator: Esteban Cuya, Nürnberger Menschenrechtszentrum
Tel.: 0911 230 55 50 Fax: -51, oder 0179 16 032 43

Rechtsanwalt: Dr. Konstantin Thun, Freiburg

Tel: 0761 202 770

Weitergehende Hintergrundinformation im Internet unter: http://menschenrechte.org

 

Nürnberg: 6. März 2001

 

 

Mitgliedsorganisationen der „Koalition gegen Straflosigkeit"

Aktionszentrum Arme Welt, Tübingen

Amnesty International, Argentinien Koordinationsgruppe, Stuttgart

Argentiniengruppe, Köln

Argentiniengruppe, Heidelberg

Argentiniengruppe, Stuttgart

Diakonisches Werk der EKD, Menschenrechtsreferat, Stuttgart

Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile - Lateinamerika, Berlin

Kirchlicher Entwicklungsdienst Bayern, Nürnberg

Kommission für Menschenrechte des Vereins der Richter und

Staatsanwälte und des Anwaltsvereins, Freiburg

Koordination der Argentiniengruppen in Deutschland, Berlin

Misereor, Aachen

Missionszentrale der Franziskaner, Bonn

Nürnberger Menschenrechtszentrum

Pax Christi L.A. Solidarität, Düsseldorf

Republikanische Anwältinnen und Anwälteverein, Hannover

World University Service, Wiesbaden