Presseinfo 2001

(weitere Infos zum Fall Marx)

Text der Strafanzeige

Aus Deutschland vertrieben in Argentinien „verschwunden“  erstmals Aussage von Ellen Marx (79) vor der Staatsanwaltschaft am Landgericht Nürnberg-Fürth im Fall Leonor Marx am Dienstag den 30. Januar 2001

 

  Ellen Marx (79), wurde mit 18 als Jüdin aus der Berliner Heimat vertrieben, und später von den Nazis ausgebürgert. Seit 1939 wohnt sie in Buenos Aires, Argentinien. Sie musste allein anfangen und hat als Kindermädchen gearbeitet. Ihre Familie, Mutter, Großvater, Onkel, Tanten wurden von den Nazis ermordet. Mit einem deutschen Juden aus Mainz gründete sie in Buenos Aires eine Familie. Mit 43 nahm sie wieder die deutsche Staatsangehörigkeit an.

55-jährig, verlor sie die Tochter durch „Verschwinden“ in den Fängen der argentinischen Militärjunta. 25 Jahre später, im Alter von fast 80 Jahren, legt sie Zeugnis davon vor der Nürnberg-Fürther Staatsanwaltschaft ab.

 Hintergrund:

 Am 28. Juni 1999, hat die „Koalition gegen Straflosigkeit beim Berliner Justizsenator 4 Strafanzeigen gegen argentinische Militärs der Jahre 1976 - 1983 wegen des "Verschwindenlassens" und der Ermordung deutschstämmiger Juden eingereicht. Darunter der Fall von Leonor Gertrudis Marx, geb. am 21.06.1948 in Buenos Aires, Argentinien.

Als am 21. August 1976 die 28-jährige Tochter, eine Meteorologin nicht mehr nach Hause kam, suchte Ellen Marx bei allen allem Kommissariaten und Militärstellen. Doch die Mutter sah und hörte nie wieder etwas von ihrer Tochter. Leonor Gertrudis Marx gilt seit dem als „verschwunden“. Sie sah ihre Tochter zwar nicht mehr, erfuhr aber von dem Zeugen Pites, dass ihre Tochter am 21.8.1976 in einer Werkstatt gemeinsam mit anderen verhaftet und in das nahegelegene 42. Kommissariat im Stadtteil Mataderos gebracht wurde. Dort verliert sich ihre Spur.

  Im März 2000 beabsichtigte die Staatsanwaltschaft am Landgereicht Nürnberg-Fürth die Verfahren wegen fehlender Zuständigkeit einzustellen.

  Nach Überprüfung der Argumente der Rechtsanwälte der betroffenen deutsch-argentinischen Familienangehörigen ist nun die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis gekommen, vorerst weiterzuermitteln. Diese Entscheidung hat bei den Angehörigen der Opfer große Freude und Erleichterung ausgelöst.

Die Entscheidung wurde von der „Koalition gegen Straflosigkeit mit großer Genugtuung aufgenommen "Damit ist ein schwarzer Tag für Deutschland, die Deutsche Justiz und das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden in letzter Minute abgewendet worden", heißt es in einer Presseerklärung.

 

Offensichtlich hat die Argumentation des Berliner Rechtsanwaltes Wolfgang Kaleck die Staatsanwaltschaft überzeugt: "In den Fällen der deutsch-jüdischen Opfer der argentinischen Militärdiktatur darf die für unwirksam erklärte Zwangsausbürgerung dieser Familien durch das Hiltlerregime nicht dazu führen, ausgerechnet diese zweifachen Opfer von Diktaturen heute vom Schutz des deutschen Strafrechts auszuschließen"

Trotz dieses Etappensieges ist die Koalition weiterhin sehr besorgt wegen der schleppenden Ermittlungen in den 10 eingereichten Fällen. "Auch wenn wir eine Einstellung von vier Verfahren in letzter Minute verhindern konnten, müssen wir, die Deutsche Justiz und die Öffentlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass wir im Begriff sind, den Wettlauf gegen die Zeit zu verlieren", mahnt Kuno Hauck, ebenso Sprecher der Koalition gegen die Straflosigkeit. "

 

Aus diesem Grund wurde nun die Mutter Frau Ellen Marx von der „Koalition gegen Straflosigkeit“ nach Deutschland auf eigene Kosten zur Zeugenaussage eingeladen.

 

Die Koalition gegen Straflosigkeit fordert die Staatsanwaltschaft nachdrücklich auf, die schon seit Mitte 1998 laufenden Ermittlungen zu intensivieren und zu beschleunigen und mehr finanzielle Mittel auch zur Vorladung von Zeugen bereit zu stellen.

Kampagnenkoordinator:  Esteban Cuya, Tel.: 0911 230 55 50 Fax: -51

Sprecher der Koalition: Kuno Hauck, Tel: 0911 54 08 230, oder 0179 70 511 28

Rechtsanwalt: Wolfgang Kaleck: Tel: 030 446 792 18

Weitergehende Hintergrundinformation unter: http://menschenrechte.org