Presseinfo 2001

Koalition gegen Straflosigkeit

Deutsche Gerichtsverfahren gegen Verantwortliche von Menschenrechtsverletzungen während der argentinischen Militärdiktatur (1976 – 1983)

 

Erste Zeugenvernehmungen am 18. Januar 2001 in Nürnberg im Fall Elisabeth Käsemann

 

(Aussage Diana Austin)      (Aussage Elena Alfaro)

Am 18.01.2001 wurden zwei wichtige Zeuginnen, die von der „Koalition gegen Straflosigkeit" nach Deutschland eingeladen wurden, im Fall der 1977 in Argentinien ermordeten Elisabeth Käsemann, von der Staatsanwaltschaft Nürnberg - Fürth vernommen.

Diana Austin, eine britische Pastorin, die heute in den USA lebt und Elena Alfaro, eine der wenigen Überlebenden des Konzentrationslagers „El Vesubio" sagen vor dem Landgericht Nürnberg - Fürth aus.

Die „Koalition gegen Straflosigkeit" erwartet, dass der zuständige Staatsanwalt, Haftbefehl gegen die Verantwortlichen in Argentinien erlässt. Zeugenvernehmung in Nürnberg

 

Die Zeugenvernehmungen fanden am 18. Januar 2001 im Landgericht Nürnberg-Fürth um 9:00 und 13:00 Uhr statt.

Hintergrundinformation:

Unter den 30.000 Opfern der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 gab es rund 90 Deutsche bzw. Deutschstämmige. In Argentinien selbst verhindern Amnestiegesetze bis heute eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen. Seit einigen Jahren haben deshalb Gerichte in Spanien, Italien, Frankreich und seit zwei Jahren auch in Deutschland mit Ermittlungen zu Fällen begonnen, in denen Staatsbürger aus diesen Ländern, Opfer von Menschenrechtsverletzungen durch argentinisches Militär und Polizei wurden.

In dem prominentesten deutschen Fall, der Entführung und Ermordung von Elisabeth Käsemann, Tochter des evangelischen Neutestamentlers Prof. Ernst Käsemann, im Jahr 1977 wird es am 18. Januar 2001 in Nürnberg zu den ersten Zeugenvernehmungen kommen. Die "Koalition gegen Straflosigkeit", die seit 1998 die Strafverfahren in Deutschland initiiert, hat dazu zwei Zeuginnen eingeladen: Diana Austin und Elena Alfaro.

Diana Austin:

Diana Austin lernte Elisabeth Käsemann 1968 in Buenos Aires kennen. Frau Austin arbeitete in den Jahren danach für kirchliche Einrichtungen in Argentinien. Nach dem Putsch von März 1976 bildeten beide Frauen, mit anderen Mitstreitern, ein Netzwerk, um gefährdete Personen außer Landes zu bringen.

Diana Austin und Elisabeth Käsemann hatten sich zu einem gemeinsamen Frühstück am 9.3.1977 in Dianas Wohnung verabredet. Aber Elisabeth kam nicht zu dieser Verabredung. In der Nacht vom 8.3. auf den 9.3.77 wurde sie festgenommen. 2 Tage später stürmte eine Gruppe bewaffneter Männer Frau Austins Apartment. Sie wurde sofort gefesselt und ihre Sicht durch eine Augenbinde verhindert. Aufgrund der Fragen der Männer wusste Diana, dass Elisabeth festgenommen worden war.

Frau Austin wurde in das gleiche Lager wie Elisabeth Käsemann gebracht verhört und misshandelt, sie konnte Elisabeths Schreie hören, sie aber nicht sehen. In der Nacht des 14.3.77 erhielt sie ihren britischen Pass zurück, mit der Anweisung, dass Land sofort zu verlassen.

Elena Alfaro:

Elena Alfaro wurde am 19.4.1977 in ihrer Wohnung festgenommen. Am Nachmittag des selben Tages wurde auf offener Straße ihr Ehemann, der deutschstämmige Luis Alberto Fabbri, festgenommen. Fabbri war Gewerkschaftler und Herausgeber der Zeitung „Respuesta". Beide wurden in das Konzentrationslager „El Vesubio" gebracht.

Nach mehreren Tagen wurden sie zu einem anderen Teil des Lagers gebracht, wo sich auch andere Gefangene befanden. Sie wurde allerdings getrennt von ihren Ehemann Luis untergebracht.

Frau Alfaro kannte Elisabeth Käsemann namentlich schon vor ihrer Verhaftung, da Elisabeth eng mit Luis Fabbri befreundet und beide gemeinsame politische Arbeit geleistet hatten. Elena Alfaro beschrieb das Wiedersehen mit Elisabeth im Lager „El Vesubio" als einer der wenigen freudigen Ereignisse während ihres Aufenthaltes dort. Frau Käsemann berichtete über die miserablen Umstände, die im ersten Lager herrschten in dem sie festgehalten wurde. Dieses wurde von den Gefangenen als „die Hölle" bezeichnet.

Am 23.05.1977 wurden 16 Personen aus dem Lager „El Vesubio" „verlegt". Darunter befanden sich Luis Fabbri und Elisabeth Käsemann.

Mehr Information zur Arbeit der „Koalition gegen Straflosigkeit" im Internet unter:

http://menschenrechte.org