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Fall
Jorge Federico Tatter
geb. am 8.12.1922
in der Kolonie Nueva Germania, Republik Paraguay
Deutsch-Paraguayer
Verhaftet am
15. Oktober 1976 in seiner Wohnung, Straße Gral. Urquiza 133,
Buenos Aires, Argentinien, seitdem "verschwunden".
Federico Jorge
Tatter ist in Paraguay geboren und hat dort bis 1963 gelebt. Er
war Radio-Elektriker und Offizier a.D. der Marine. Er hat nie einer
Partei angehört.
Tatter wird
von seiner Familie und seinen Freundern als heiterer, kontaktfreudiger
Mensch von hoher sozialer Empfindlichkeit geschildert. Er war kompromißfähig
und engagiert und ersehnte die Schaffung der Demokratie für
sein Land. Seine Familie - drei Kinder - war ihm der höchste
Wert des Lebens.
Nach dem Bürgerkrieg
1947 flohen 80% der Militärs, auch Tatter, nach Argentinien
und wurden bald nach Uruguay abgeschoben. Von dort kehrte Tatter
1952 legal nach Paraguay zurück. In den Jahren 1956 bis 1960
wurde Tatter dreimal verhaftet, 1960 auch gefoltert. Die Gründe
dafür blieben unbekannt. Als er 1963 wieder gesucht wurde,
floh er, nun ein Verfolgter, nach Argentinien. Er lebte und arbeitete
fortan in Buenos Aires.
Anläßlich
eines Besuches des paraguayischen Staatspräsidenten Strößner
in Buenos Aires wurde Tatter 1973 verhaftet. Erst nach Fürsprache
eines hohen Militärs wurde er freigelassen.
Am 15. Oktober
1976 erschien eine Gruppe uniformierter Männer in der Wohnung
Tatters, der dort mit seiner Frau und einem 17-jährigen Sohn
gleichen Namens wohnte. Nach eigenen Angaben gehörte einer
der Männer zum 1. Infanterie-Regiment, ein anderer zum Nachrichtendienst
und ein dritter gehörte dem Gemeinsamen Kommando an. Per Telefon
ließen sie sich die Echtheit des Personalausweises von Federico
Jorge Tatter bestätigen, was den Schluß nahelegt, daß
sie dem Sicherheitsdienst angehörten.
Nachdem sie
die Wohnung ausführlich durchsucht und nichts gefunden hatten,
nahmen sie Tatter mit und versprachen, ihn bald zurückzubringen.
Seitdem sind
alle Unternehmungen, den Aufenthaltsort von Federico Jorge Tatter
ausfindig zu machen, erfolglos geblieben.
Tatters Frau,
Idalina R. de Tatter, die bei der Verhaftung anwesend war, beschreibt
die Vorgänge am 15. Oktober 1976:
"Am 15.
10.76 drang eine Gruppe von Personen um 18 Uhr in unsere Wohnung,
Straße General Urquiza, C. F Nr. 133, ein und fragte nach
"Federico, der Radios repariert" : Ohne daß ich
Zeit zu antworten hatte, sagten sie mir daß sie vom "Heer"
seien, und drangen ins Innere der Werkstatt und der Wohnung ein.
Es waren 6 - 7 Personen. Drei von ihnen trugen Uniform. Alle waren
sie stark bewaffnet Mein Mann befand sich in der Küche und
trank Kaffee. Er mußte sich gegen die Wand stellen. Sie begannen,
ihm Fragen zu stellen, während andere genauestens die Wohnung
untersuchten. Dann konzentrierten sie die Fragen auf meinen Sohn,
Federico Jorge Tatter, 17 Jahre, der zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause
war.
Gegen 20 Uhr
zogen sie sich zurück, nachdem sie alles getrunken und gegessen
hatten, was sie finden konnten. Sie nahmen meinen Mann mit in Autos,
die sie auf dem Bürgersteig geparkt hatten, und sagten mir,
daß mein Mann am nächsten Tag sofort zurückkehren
kann. Drei aus der Gruppe blieben im Haus und zwangen mich, die
Tür zu öffnen, wenn es klingelt. Sie selber versteckten
sich hinter einer spanischen Wand und bedrohten mich mit einer Maschinenpistole
Als ich nach dem Warum ihres Tuns fragte, antworteten sie mir, daß
sie auf meinen Sohn warteten. Zweimal telefonierten sie mit ihren
Vorgesetzten, um die - wie sie es nannten - "Wachablösung"
vorzunehmen. Der Kommandant der Aktion schickte einen Untergebenen
fort um die Echtheit des Personalausweises meines Mannes zu überprüfen.
Nach kurzer Zeit kehrte er zurück und bestätigte die Echtheit.
Außerdem sagten sie mir, daß ich weder das Kommissariat
noch die Bereitschaftswache anrufen solle, weil diese schon benachrichtigt
wurden.
Seitdem waren
meine Anstrengungen, den Aufenthalt meines Mannes zu erfahren, erfolglos.
Ich habe etwa 20 Habeas-Corpus-Gesuche präsentiert, Briefe
geschrieben ans Innen- und ans Verteidigungsministerium, Kasernen,
Polizeikommissariate, Gefängnisse. Außerdem wurde ich
vorstellig bei Kirchen, nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen.
Im Mai 1977
begann ich vorstellig zu werden beim Hochkommissar für Flüchtlinge
und bei der deutschen Botschaft, wo ich alle erwünschten Dokumente
vorlegte."(. . .)
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