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"Verschwörung
des Schweigens"
Presseinformation
28.05.03
"Verschwörung des Schweigens".
Eine Dokumentation
von Elvira Ochoa und Frieder Wagner. Wie verhält sich eine
demokratische Regierung des westlichen Europas, wenn sie erfährt,
dass mehrere ihrer Staatsangehörigen von Organen einer
Militärdiktatur entführt, gewaltsam festgehalten und gefoltert
werden?
Man sollte glauben,
dass eine solche Regierung ihren internationalen Rechtsverpflichtungen
nachkommt, dass sie alle ihre Mittel und Möglichkeiten einsetzt,
dass sie es sofort und nachdrücklich tut, dass sie der beschuldigten
Regierung keine Ausflüchte erlaubt, deren Erklärungen
misstraut und dass sie keine Ruhe gibt, bis die betroffenen Personen
freigelassen oder ihr Schicksale geklärt wurden.
Die deutsche
Bundesregierung und besonders das Auswärtige Amt haben diese
Selbstverständlichkeiten in der argentinischen Militärdiktatur
von 1976-83 auf so skandalöse Weise verletzt, dass Angehörige
deutscher Verschwundenen sich damals nur mit der Flucht in die Öffentlichkeit,
mit Protestaktionen,
Hungerstreiks und schließlich mit einer Strafanzeige wegen
unterlassener Hilfeleistung gegen Bundesaußenminister Genscher,
Beamte des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Botschaft in
Buenos Aires zu helfen wussten.
Insgesamt verschwanden
unter dieser Militärdiktatur fast 100 Deutsche bzw. Deutschstämmige.
Am Beispiel des ermordeten Studenten Klaus Zieschank und dem Fall
der Professorentochter Elisabeth Käsemann aus Tübingen
deckt die Fernsehdokumentation anhand von Zeugenaussagen von Überlebenden,
ehemaligen Mitgefangenen und Angehörigen, sowie einem ehemaligen
Botschafter und einem früheren Geheimdienstmann das unglaubliche
Versagen des Auswärtigen Amtes auf. Die deutschen Diplomaten
hatten weder im Fall Zieschank / Käsemann
Erfolg, noch in irgend einem anderen Fall, kein einziger deutscher
Verschwundener konnte gerettet werden.
Fehlte der politische Wille? Gab es Gründe stillzuhalten, wirtschaftliche
zum Beispiel?
Tatsache ist:
Während 100 Deutsche entführt und ermordet wurden, avancierte
die Bundesrepublik weltweit zum Waffenlieferanten Nr.1 für
die Militärjunta, schloss die deutsche Industrie mit der Diktatur
Verträge in Milliardenhöhe ab.
Bis heute hat das Auswärtige Amt offiziell nie Fehler eingestanden,
behauptet weiter "alle zur Verfügung stehenden Mittel
eingesetzt zu haben, um die Verschwundenen zu retten. Aber hat sie
nach heftigem Protest ihren Botschafter abberufen? Einen Krisenstab
gebildet? Einen Sonderbeauftragten entsandt? Mit Folgen für
die Wirtschaftsbeziehungen gedroht? Nichts von dem ist passiert.
Stattdessen hat ein Major des argentinischen Geheimdienstes im Beisein
des deutschen Konsuls in der Botschaft die Angehörigen der
Verschwundenen verhört und die Ergebnisse dann an seine Vorgesetzten
in den Folterzentren weitergegeben, wo dann entschieden wurde, ob
sie getötet wurden. Das gibt er heute offen zu.
Redaktion: Sabine Rollberg (ARTE-WDR)und Beate Schlanstein (WDR-Geschichte)
Sendung: Mittwoch, 04. Juni 2003 um 20 Uhr 45 bei ARTE, WDR - ARTE:
Die Geschichtsdokumentation:
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