Pressemitteilung
Verurteilen
oder Ausliefern!"
11. Februar 2002
Koalition gegen Straflosigkeit erwartet von Bundeskanzler Gerhard
Schröder klare Worte während des Staatsbesuches in Argentinien
diese Woche.
Bundeskanzler Gerhard Schröder soll bei seinem Staatsbesuch
am 14. und 15. Februar 2002 die Bestrafung oder Auslieferung der
Beschuldigten für die Ermordung und das Verschwindenlassen"
von deutschen Staatsbürgern während der Militärdiktatur1976
- 1983 mit Nachdruck fordern.
Nie waren die Chancen so groß wie heute, dass der Bundeskanzler
Wahrheit und Gerechtigkeit für die deutschen Opfer der Militärdiktatur
erreicht", betont Pfr. Kuno Hauck, Sprecher der Koalition
gegen Straflosigkeit". Argentinien wird von einer schweren
wirtschaftlichen und politischen Krise heimgesucht. Die Menschen
des Landes wollen einen grundlegenden Politikwechsel der
neben einer anderen Wirtschaftspolitik auch eine Bestrafung der
Verantwortlichen der Militärdiktatur beinhaltet. Dies haben
zahlreiche argentinische Menschenrechtsorganisationen zum Ausdruck
gebracht.
Nach Ansicht der Koalition gegen Straflosigkeit ist der Besuch
des Bundeskanzlers eine hervorragende Gelegenheit, diesen Politikwechsel
zu unterstützen. Präsident Duhalde hat die Erwartung zum
Ausdruck gebracht, dass Deutschland Argentinien bei den Verhandlungen
mit den internationalen Finanzinstitutionen entgegenkommt. Der Bundeskanzler
sollte nach Ansicht der Koalition gegen Straflosigkeit"
deutlich machen, dass wirtschaftliche Hilfe und Investitionen nur
bei einem funktionierenden Rechtssystem möglich sind. Solange
die Straflosigkeit für schwerste Menschenrechtsverletzungen
wie Verschwindenlassen" und Mord nicht beendet wird,
kann nicht von einem funktionierenden Rechtsstaat und Rechtssicherheit
die Rede sein" stellt Pfarrer Kuno Hauck fest.
Bis heute verletzt die argentinische Regierung durch die völkerrechtswidrige
Zusicherung von Straflosigkeit für ihre Militärs ihre
internationalen Verpflichtungen schwer. Durch die Weigerung, den
internationalen Haftbefehlen gegen ehemalige Militärs
drei von ihnen liegen derzeit allein von der Nürnberger Justiz
vor nachzukommen, zeigt die argentinische Regierung ein Willkürverhalten,
das von der deutschen Regierung nicht hingenommen werden kann und
die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern aufs Stärkste
belastet.
Nach Ansicht der Koalition gegen Straflosigkeit wird viel vom Verhandlungsgeschick
des Kanzlers abhängen. Wir wissen, dass es starken Druck
von Militärs auf den argentinischen Präsidenten gibt,
die Straflosigkeit weiterhin zu garantieren. Doch es gibt genug
Spielraum für den argentinischen Präsidenten, endlich
einen Schlussstrich unter diese völkerrechts- und verfassungswidrige
Vergangenheit zu ziehen", meint Stefan Herbst von der Koalition
gegen Straflosigkeit" der Kanzler und die ihn
begleitende Wirtschaftsdelegation muss diesen Spielraum allerdings
energisch genug einfordern. Argentinien ist verpflichtet entweder
selbst für Wahrheit und Gerechtigkeit zu sorgen, d.h. die Beschuldigten
im Land vor Gericht zu stellen, oder diese auszuliefern." Dies
könnte so sind sich die deutschen Menschenrechts- und
kirchlichen Organisationen einig, der Beginn eines neuen Kapitels
in den deutsch-argentinischen Beziehungen sein, das von Demokratie
und Menschenrechten geprägt ist und die Schatten der Militärdiktatur
hinter sich lässt.
Auch wenn wir es begrüßt hätten, dass der
Bundeskanzler in seiner Delegation auch Menschenrechtsvertreter
eingeladen hätte, wünschen wir ihm viel Erfolg bei den
Verhandlungen" meint Pfarrer Kuno Hauck. Wir freuen uns,
dass der Bundeskanzler die Angehörigen der deutschen Verschwundenen
am 15. Februar treffen wird und hoffen, dass er nicht mit leeren
Händen vor den seit 25 Jahren auf Wahrheit und Gerechtigkeit
wartenden Familienangehörigen stehen wird."
Für Rückfragen:
Kampagnenkoordinator:
Esteban Cuya, Tel.: 0911 230 55 50 Fax: -51
Sprecher der Koalition:
Kuno Hauck Pfr., Tel.: 0179 70 511 28 oder 0911 54 08 230
Sprecher der Koalition:
Stefan Herbst, Missionszentrale der Franziskaner: Tel.: 0228-9535320,
oder 0228 330269
Weitergehende Hintergrundinformationen unter: http://menschenrechte.org

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