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Beitrag
zur Versöhnung durch Wahrheit und Gerechtigkeit
Esteban
Cuya
Nürnberg
Juli 2005
Diejenigen,
die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, die
Regierungsbehörden ebenso wie bestimmte Bereiche die Gesellschaft,
die von Menschenrechtsverletzungen verschont geblieben sind, schlagen
vor, schnell eine Versöhnung mit der Gesellschaft zu erreichen.
Sie wollen die Entschuldigung der Schuldigen, um "das Land
zu versöhnen" und angeblich um "den Weiterbestand
des demokratischen Systems zu garantieren". Die Versöhnung,
die auf der Straflosigkeit basiert, genauso wie der Straferlass,
verstoßen gegen alle Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit.
Wahrheit und
Gerechtigkeit sind äußerst notwendige Schritte vor einer
möglichen Versöhnung. Keine Gesellschaft, die sich weigert,
sich kritisch mit ihre Vergangenheit der Menschenrechtsverletzungen
auseinander zu setzen, wird in der Zukunft die korrekte Anwendung
der Justiz garantieren können. Die Straffreiheit für Menschenrechtsverletzungen
führt dazu, dass sowohl derjenigen, die die Verletzungen erlitten
als auch die Familienangehörigen, die Gerechtigkeit fordern,
andauernd in ihrer Opferrolle bleiben.
Die Versöhnung,
die in der Zeit nach den bewaffneten Konflikten stattfindet, bedeutet
die Wiedereinsetzung von optimalen oder "normalen" Beziehungen
zwischen den Menschen, in diesem Fall zwischen den Opfern und ihren
Angehörigen und denjenigen, die die Menschenrechte verletzt
haben. Man muss sich fragen, ob vor den Gewaltakten "angemessene"
Beziehungen existierten, geprägt von Respekt und gegenseitiger
Akzeptanz zwischen den Parteien, zwischen Zivilen und Militärs
oder Polizisten. In jedem Fall wurden die "Beziehungen"
des gegenseitigen Respekts durch die Begehung von Menschenrechtsverletzungen
beschädigt.
Die begangene
Straftat führt zu gegenseitiger Ablehnung oder Hass (als menschliche
Reaktion nachvollziehbar) gegenüber denjenigen, die die Menschenrechtsverletzungen
begingen. Nur das Ende der Menschenrechtsverletzungen, keine Folter
mehr, nicht länger ungerechte Inhaftierung, nicht weiterhin
der Zustand des gewaltsam Verschlepptseins, oder die Wiedergutmachung
des verursachten Schadens bieten die Möglichkeit, diese Ablehnung
zu beenden und die Versöhnung als eine Alternative zur Überwindung
der Vergangenheit anzusehen.
Versöhnung
kann nicht per Dekret erreicht werden. Die Versöhnung ist ein
persönlicher Akt zwischen zwei sich gegenüberstehenden
oder getrennten Seiten. Sie impliziert persönliche Entscheidungen,
die für den Unterdrücker bedeuten, die Wahrheit zu sagen,
Reue zu zeigen, und seine Straftaten einzugestehen. Versöhnung
impliziert ebenso das Versprechen, Verletzungen nicht nochmals zu
begehen sowie die Akzeptanz der entsprechenden strafrechtlichen
Sanktion. Nur nachdem diese Schritte stattfanden, kann Vergebung
und Versöhnung seitens der Opfer erwartet werden.
Es ist nicht
korrekt, die Angehörigen der Opfer zu zwingen, sich mit denjenigen
zu versöhnen, die die Schuld am Verschwinden ihrer geliebten
Menschen haben, bevor diese nicht ihre Taten gestanden und die entsprechenden
Strafen verbüßt haben.
Natürlich
klammern sich die Angehörigen der Opfer an die Erinnerung an
ihre geliebten verschwundenen oder ermordeten Menschen und versuchen,
diese am Leben zu erhalten. Nicht um die Wahrheit und Gerechtigkeit
in ihren Fällen zu kämpfen, den Schuldigen im Namen einer
vermeintlichen Versöhnung zu verzeihen, ist für sie wie
ein Verrat an dem geliebten Menschen. Aus diesem Grund dauert der
Schrei nach Wahrheit und Gerechtigkeit an.
Der peruanische
Jurist Carlos Chipoco führt aus, dass das Recht auf Wahrheit
auf der Rechtsprechung basiert, dies sowohl in Bezug auf juristische
und praktische Aspekte. Er zeigt auf, dass die Wahrheit vollständig
sein soll, offiziell, öffentlich und unparteiisch. Er fügt
hinzu, dass die Suche nach Wahrheit wichtig ist, eine moralische
Aufgabe gegenüber den Opfern, den Angehörigen und den
Schuldner, um die Schuldigen zu entdecken und zu bestrafen, um die
Demokratie und die Kontrolle von öffentlichen Einrichtungen
durch den Bürger zu bestätigen und um zu vermeiden, dass
solche Menschenrechtsverletzungen wieder begangen werden. Abschließend
meint Chipoco, dass die Achtung vor dem Recht auf Wahrheit wichtig
ist, um die Möglichkeit des Verzeihens und der Versöhnung
zu eröffnen und um das Völkerrecht einzuhalten.
Diejenigen,
die sich für eine Versöhnung engagieren, fordern deshalb:
Die Entdeckung
einer "ignorierten" , halb verborgenen Wahrheit.
Die Aufdeckung
von allen Personen, (aus verschiedenen Bereiche die Gesellschaft)
die beim Entstehen der Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind.
Die Darstellung
der Opfer als Individuen, dadurch, dass man ihnen Gesicht und Persönlichkeit
verleiht.
Die teilweise
Moralische Wiedergutmachung des verursachten Schadens. Ein Menschenleben
kann nicht wieder ersetzt werden.
Ohne Wahrheit
und Gerechtigkeit können keine Wege für die Versöhnung
zwischen denjenigen, die die Menschenrechte verletzen und den überlebenden
Opfern oder Angehörigen der Verschwundenen oder Ermordeten
gefunden werden.

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Copyright 2005, Nürnberger Menschenrechtszentrum
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