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Verleihung
des 9. Bremer Solidaritätspreises 2004
an die "Komission von Müttern und Angehörigen verschwundener
Deutsche und Deutschstämmiger"
Rede
von Frau Elsa de Oesterheld
Bremen 21.02.05.
Sehr geehrte
Damen und Herren,
Es ist sehr
schwierig, meine Gefühle in Worte zu fassen, die mich ich in
diesem Moment bewegen, da ich das Privileg habe benannt worden zu
sein die Gruppe der deutschen und deutschstämmigen Familienangehörigen
von Verschwundenen zu vertreten, verschwunden unter der Militärdiktatur
in Argentinien, die unser Land zwischen 1976 und 1983 verwüstet
hat, um im Namen dieser Gruppe den Solidaritätspreis entgegenzunehmen,
den diese wunderbare Stadt Bremen an die Nachkommen verleiht als
Anerkennung und Ermutigung für den kontinuierlichen Kampf um
die Forderung nach Gerechtigkeit, die bislang noch nicht zuteil
wurde.
Nichts ließ
vermuten, dass unser Volk bis in seine tiefsten Wurzeln zerrissen
würde von einem mörderischen und gesetzesbrecherischen
Heer, das die befähigste Generation, die einen Wechsel der
nicht tragfähigen und antidemokratischen Politik des Landes
forderte, opferte. Von diesem Augenblick an lebte das argentinische
Volk im Terror und wartete jeden Tag auf die Rückkehr seiner
Liebsten in den Schoß der Familie, denn wenn diese sich verspätete,
war ihr Verschwinden fast Gewissheit.
Diejenigen unter
uns, die wir nicht das Glück hatten, das uns unsere Liebsten
erhalten blieben, verwandelten sich in Gespenster, die umherirrten
an allen denkbaren Orten, an denen man vermuten konnte, eine Antwort
auf das "Verschwinden" seines Familienangehörigen
zu bekommen. Aber natürlich führten alle legalen Mittel,
die man einsetzte, zu der gleichen Antwort der Beamten: "ihr/sein
Aufenthalt ist unbekannt", "sie/er ist verschwunden".
Diejenigen unter uns, die wir diese für ein zivilisiertes Land
absurde Realität durchleben mussten, zerstörte sie nicht,
sondern sie mobilisierte uns, weil der Schmerz sehr viel stärker
ist als die Angst, der sie uns zu unterwerfen glaubten.
Aber dieser
Schmerz verwandelte sich in Stärke und Entschlossenheit nicht
nachzugeben und wir setzten unseren mittlerweile fast 30 Jahre währenden
Kampf fort, manches Mal mutlos, aber mit dem absoluten Drang, Gerechtigkeit
zu fordern. Diese Forderung darf man nicht aufgeben - wegen derer,
die nicht mehr da sind, und wegen der Generationen, die nachfolgen
werden. Solche Dinge dürfen nie wieder passieren.
Glücklicherweise
verwandelte sich diese unerschöpfliche Kraft von einigen wenigen
in die von Tausenden, und es wurden die Menschenrechtsorganisationen
geschaffen, die zu unstreitbaren Verbündeten wurden. An diesem
ganzen Kampf beteiligten sich auch kleine Gruppen von Familienangehörigen,
die unterschiedlichen in unserem Land ansässigen nationalen
Gemeinschaften angehören und betroffen waren von dem Verschwinden
eines Familienmitglieds. In unserem Fall handelte es sich um Deutsche
und Deutschstämmige, und ich möchte hier ganz besonders
eine Person
erwähnen, die diese Gruppe gründete und uns ermutigte,
das Recht zu verteidigen, Gerechtigkeit für seine Liebsten
zu fordern. Diese Frau war Ana María Zieschanck, gestorben
........., die mit ihrer Stärke diese Gruppe ins Leben rief,
die bis heute trotz der vielen verstrichenen Jahre ohne nachzulassen
weitermacht und entschlossen ist, auch in Zukunft weiterzumachen.
Besonders erwähnen muss ich außerdem Frau Ellen Marx,
die sich mit einem beispielhaften Kampfgeist bis heute unermüdlich
an der Arbeit dieser Gruppe beteiligt, die Ende der 70er Jahre begann.
Leider kann uns Frau Marx aus gesundheitlichen Gründen nicht
begleiten bei diesem Akt der Verleihung des Solidaritätspreises,
mit dem man uns ehrt zusammen mit der Koalition für den Kampf
gegen Straflosigkeit in Argentinien.
Dies ist eine
Zusammenfassung, die so viele Jahre der Arbeit umfasst und auch
Momente großer Entmutigung in sich birgt, Produkt der vielen
Jahre, die vergingen ohne die erhofften Resultate zu sehen. Aber
der Tag, an dem wir die Ankündigung dieses Preises erhielten,
war, aufgrund der moralischen Bedeutung dieses Preises, ein Tag
des Ansporns, der wieder etwas in Gang setzte, was wir schon verloren
glaubten und ohne das das Leben keinen Sinn macht: die Hoffnung.
Bremen hat mit
der Unterstützung dieser Initiative das Vertrauen zurückgegeben
und diese Gruppe weiß von nun an, dass sie nicht kapitulieren
wird, weil es immer Menschen gibt, die für das Leben und die
Gerechtigkeit weiterkämpfen werden.
Hier möchte
ich die Haltung des Bremer Senats hervorheben, der mit seiner einmütigen
Unterstützung nicht nur sein Einverständnis zur Verleihung
dieses Preises ausgedrückt hat, sondern uns außerdem
mit dieser prachtvollen Rathaushalle für diese Zeremonie einen
Rahmen darbietet, den sie verdient.
Unser Dank für
diese Geste hat nicht die Worte, um ihn auszudrücken, denn
es sind die Worte, die man gewöhnlich benutzt, aber sie kommen
aus tiefstem Herzen. Danke.... Ganz herzlichen Dank!
(Übersetzung:
Dr. Ursula Niebling)

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