|
Verleihung
des Solidaritätspreises 2004 der Stadt Bremen für den
Kampf gegen die Straflosigkeit
Esteban
Cuya, Februar 2005
Der Senat der Stadt Bremen verleiht den Solidaritäts- und Menschenrechtspreis
2005 an Repräsentanten des Kampfes gegen die Straflosigkeit
bezüglich Menschenrechtsverletzungen in Argentinien. Die Auszeichnung
wird am 21. Februar 2005 im Bremer Rathaus von Elsa de Oesterheld,
einer Repräsentantin der Komission von Müttern und Angehörigen
verschwundener Deutsche und Deutschstämmiger und Kuno Hauck,
Repräsentant der Koalition gegen Straflosigkeit mit Sitz in
Nürnberg, entgegengenommen.
"Mit dieser
Auszeichnung würdigt der Bremer Senat das Engagement für
ein Ende der Straflosigkeit staatlicher Willkürherrschaft in
Argentinien, sowie für die Verteidigung der Demokratie und
das Einhalten der Menschenrechte", so Klaus Schloesser, Sprecher
des Senats der Stadt Bremen.
Die Koalition
gegen Straflosigkeit ist eine Vereinigung, die seit 1998 einen gerichtlichen
Prozess gegen die Verantwortlichen der letzten Militärdiktatur
in Argentinien führt.
Der Solidaritätspreis
wird seit 1988 alle zwei Jahre in Bremen vergeben und ist mit 5000
Euro dotiert. Die Preisträger erhalten neben dem Geldbetrag
ein Kunstwerk des Bremer Skulpteurs Bernd Alterstein, das die solidarische
Zusammenarbeit der Bremer Stadtmusikanten darstellt. Vergangene
Preisträger waren unter anderem der Südafrikaner Nelson
Mandela (1988), die Israelin Gila Svirsky und die Palästinenserin
Sumaya Farhat- Nasar (2003).
Der Bremer Senat
erinnert daran, dass während der argentinischen Militärdiktatur
die Regimegegner zu Tausenden verfolgt und ermordet wurden. Die
Familie Oesterheld, die ursprünglich aus Bremen stammt, wurde
auf grausame Art und Weise Opfer dieser Methoden. Innerhalb von
zwei Jahren wurden acht Familienmitglieder ermordet. Unter ihnen
befanden sich der Ehemann Héctor und die vier Töchter
der Menschenrechtsaktivistin Elsa von Oesterheld in Buenos Aires.
Hector Oesterheld war Autor und Grafikkünstler. In seinem Werk
aus Karikaturen spiegelt sich die damalige prekäre politische
Situation in Argentinien wider, auch seine vier Töchter waren
politisch aktiv. Im Juni 1977 wurde Héctor entführt
und verschwand in einem illegalen Gefangenenlager, es gab kein Lebenszeichen
mehr. Das gleiche Schicksal ereilte die vier Töchter der Familie,
Beatriz, Diana, Estela und Marina Oesterheld. Auch sie verschwanden
für immer und wurden ermordet.
Für die
Koalition gegen Straflosigkeit ist die Auszeichnung der Stadt Bremen
ein Zeichen der moralischen Wiedergutmachung für die Angehörigen
der Opfer der argentinischen Militärdiktatur, da in Deutschland
auf juristischer Ebene die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit
gestoppt und blockiert wird. Im
Jahr 1999 hat die Bremer Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen
Entführung und Mordes an Guillermo Augusto Engel Osuno in Argentinien
im Mai 1976, zu den Akten gelegt.
Dank des unermüdlichen
Kampfes der Angehörigen der Verschollenen und der Unterstützung
durch die Koalition erreichte man in den letzten drei Jahren den
Erlaß von Haftbefehlen gegen argentinische Militärs ausgesprochen
vom Gericht in Nürnberg. Unter ihnen befanden sich der argentinische
Ex-Präsident Jorge Rafael Videla, Carlos Suárez Mason,
Oberbefehlshaber des argentinischen Militärs, Admiral Emilio
Massera und andere hohe Amtsträger, die man verantwortlich
macht für das Verschwinden und die Ermordung der Deutschen
Claus Zieschank und Elisabeth Käsemann 1976 und 1977.
Im Januar 2004
forderte Deutschland die Auslieferung der argentinischen Militärs,
unter ihnen Ex-Präsident Videla. Die argentinische Regierung
hat bereits die Aufhebung der Straflosigkeit verkündet, zum
Teil Dank der bedeutenden Arbeit der Angehörigen der Tausenden
Verschollenen und Ermordeten in Argentinien zwischen 1976 und 1983,
unter ihnen auch Elsa de Oesterheld und die Müttern und Angehörigen
verschwundener Deutsche und Deutschstämmiger.
Die Koalition
gegen Straflosigkeit entwickelt zur Zeit mit Unterstützung
von Amnesty International, argentinischen Menschenrechtsorganisationen
und Einrichtungen der evangelischen und katholischen Kirche eine
Postkartenkampagne. Die höchsten Autoritäten der deutschen
Bundesregierung und bayrischen Staatsregierung sollen angeschrieben
werden, bis die Bestrafung derart schwerer Menschenrechtsverletzungen
erreicht ist.
Unter den verfahren
in Europa ist das Verfahren in Deutschland aktuell am weitesten
forgeschritten. Um so bitterer wäre es, wenn die Einstellung
der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Nürnberg nicht
wieder revidiert würde.

©
Copyright 2005, Nürnberger Menschenrechtszentrum
|