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Verleihung
des Solidaritätspreises 2004 der Stadt Bremen für den
Kampf gegen die Straflosigkeit
Laudatio
von Prof. Dr. Herta Däubler- Gmelin, Bremen anlässlich
der Verleihung des 9. Bremer Solidaritätspreises an Frau Elsa
Sanchez de Oesterheld und Pfarrer Kuno Hauck vom Koalition gegen
Straflosigkeit
(21.2.2005)
I.
Sehr verehrte
Frau Elsa Sanchez de Oesterheld,.
sehr geehrter Herr Pfarrer Hauck,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Scherf,
liebe Angehörige und Freunde der Opfer der schrecklichen argentinischen
Militärdiktatur, Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Koalition
gegen Straflosigkeit,
verehrte Anwesende,
es ist eine große Freude für mich, Ihnen, den Preisträgern
des 9. Bremer Solidaritätspreises, ganz herzlich zu gratulieren.
Ich freue mich mit Ihnen, denn Ihre menschlich und politisch so
wichtige Arbeit, Ihre Hartnäckigkeit und Ihr unermüdliches
Engagement werden durch diese Auszeichnung einmal mehr auf würdige
Weise anerkannt.
Gratulieren will ich aber auch der Jury des Solidaritätspreises
und dem Land Bremen, sehr geehrter Herr Bürgermeister. Mit
der Auszeichnung beider Preisträger setzen Sie auch in diesem
Jahr wieder Maßstäbe; beide Preisträger ordnen sich
würdig in die großartige Reihe der herausragenden Preisträger
früherer Jahre ein. Damit - und mit der Auszeichnung des Eintretens
für Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung ist Bremen
Vorbild für die ganze Bundesrepublik Deutschland.
II.
Sie, Herr Bürgermeister Scherf haben ja gerade deutlich gemacht,
was der Bremer Solidaritätspreis will und tut. Ich will das
mit meinen eigenen Worten nochmals unterstreichen:
Der Preis will Menschen auszeichnen, die wissen, was in unserer
Welt in erster Linie wichtig ist - Menschlichkeit, Menschenrechte
und Gerechtigkeit - und die, das kommt hinzu, mit Mut und Hartnäckigkeit
nach dieser Einsicht handeln.
Sie, verehrte
Frau de Oesterheld und Sie, sehr geehrter Pfarrer Hauck und Ihre
Mitstreiterinnen und Mitstreiter von der Koalition gegen Straflosigkeit
tun genau das seit Jahrzehnten.
Sie haben sich der Hilfe für die Angehörigen der Opfer
der staatlichen Mordkommandos, der Menschenrechtsverletzungen und
der staatlichen Willkür der argentinischen Militärjunta
verschrieben.
Sie drängen auf Aufklärung der Verbrechen jener Zeit und
darauf, die Verantwortlichen persönlich zur Verantwortung zu
ziehen, der Täter ebenso wie ihrer Hintermänner, seien
diese nun Militärs oder Politiker.
Sie tun das mit großer Hartnäckigkeit und unter großen
persönlichen Opfern.
Sie lassen sich
auch von persönlicher Risiken und massiven Einschüchterungen
nicht davon abbringen; ich bewundereauch,
wie unverdrossen Sie sich seit Jahren mit häufig gleichgültigen,
ängstlichen, zynischen, in jedem Fall aber uneinsichtigen Behörden
herumschlagen. Ihre bewunderungswürdige Bereitschaft und Ihre
Fähigkeit, Frustrationen zu ertragen und dennoch weiter zu
machen, wird von Ihrer heutigen Auszeichnung ausdrücklich mit
umfasst.
Es gibt sicherlich auch Menschen die fragen, warum Sie das alles
auf sich nehmen - bis heute.
Natürlich stehen Sie unter dem Einfluss persönlicher Erfahrungen;
es geht Ihnen darum, geliebten Menschen, die staatlichen Verbrechen
und der Willkür der argentinischen Militärjunta den Opfern
gefallen sind, wenigstens heute noch irgendwo Gerechtigkeit widerfahren
zu lassen.
Aber das ist
nicht alles. Ihnen geht es auch um Ihr, um unser Gemeinwesen, Sie
handeln politisch und wollen das auch:
Sie wissen, dass eine Gesellschaft ohne Recht und Gerechtigkeit
nicht lebensfähig und zukunftsfähig ist; wir in Deutschland
sollten das aufgrund unserer eigenen schrecklichen Geschichte längst
gelernt haben.
Auch nach dem Ende jeder Diktatur- und Schreckensherrschaft der
letzten Jahrzehnte - und davon gab und gibt es ja eine ganze Menge
- erfahren wir immer wieder, dass Verbrechen nicht einfach per Amnestie
erledigt, verdrängt und unter den Teppich gedrängt werden
können; auch dann im übrigen nicht, wenn die früheren
Machthabern sich genau das durch erzwungene Amnestiegesetze haben
zusichern lassen.
Eine Gesellschaft,
die sich einer aufgedrängten Amnestie auf Dauer beugen würde,
verstieße nicht allein gegen das zwingende Gebot der Achtung
vor den Ermordeten, vor den Verschwundenen und ihren Angehörigen.
Sie würde auch der unverrückbaren Tatsache zuwider handeln,
dass der Weg zu einer versöhnten, zu einer friedlichen, zu
einer zukunftsfähigen Gesellschaft die Aufklärung der
Verbrechen, die Anerkennung der Leiden der Opfer, die klare Benennung
des Unrechts und zumindest die klare persönliche Zuordnung
der Verantwortung verlangt.
Der Internationale Strafgerichtshof für die Verfolgung der
schlimmsten Menschenrechtsverletzungen im früheren Jugoslawien,
der ICTY in Den Haag also, hat diese Zusammenhänge in seinem
Endemovic- Urteil eindeutig und prägnant so formuliert "Discovering
the truth is a cornerstone of the rule of law and a fundamental
step on the way of reconciliation" und damit die Bedeutung
der juristischen Aufarbeitung und strafrechtlichen Verfolgung von
Staatsverbrechen festgestellt.
Dieser Kernsatz
gehört mittlerweile längst zum gesicherten Wissens- und
Erkenntnisbestand der Völkergemeinschaft; wir finden ihn heute
in zahlreichen Dokumenten der Vereinten Nationen. In diesen Tagen
diskutiert die Völkergemeinschaft über den Bericht des
UN-Generalsekretärs vom August des letzen Jahres über
"Transitional Justice", der die Voraussetzungen und Erfordernisse
von Übergangsjustiz nach dem Ende von Willkürherrschaft
und den Weg zur Schaffung einer rechtsstaatlichen und freien Grundordnung
genau beschreibt. Auch er enthält diese Erkenntnis und zieht
die nötigen Folgerungen aus ihr.
Das alles sind
bedeutsame Schritte auf dem Weg zu einer Stärkung der Menschenrechte,
von Gesetz und Recht weltweit.
Sie wären
ohne Ihre Aufklärungs-Arbeit, verehrte Preisträger und
ohne die unermüdliche und hartnäckigen Forderungen ihrer
Mitstreiterinnen und Mitstreiter um Wahrheit und Gerechtigkeit in
Ihrem Land und in aller Welt nicht möglich gewesen.
III.
Sie verehrte Frau de Oesterheld, haben persönlich die schrecklichsten
Erfahrungen machen müssen. Was die argentinische Militärjunta
Ihnen und Ihren Familienangehörigen angetan hat, ist schlimmer
und grausamer als wir uns vorstellen können.
Ihr Mann, Hector de Oesterheld wurde verhaftet und ermordet. Ihre
vier Töchter Beatriz, Diana, Estela und Marina ebenso. Und
deren Männer. Und deren ungeborene Kinder - welch ein Verbrecherregime!
Tausende wurden ermordet, die Statistiken berichten von über
30 000. Alles Menschen, die für eine gerechtere Gesellschaft
eingetreten sind. Alles Menschen, die gerne gelebt hätten,
die unsere Gesellschaft dringend gebraucht hätte.
Ich bewundere Ihren Mut und Ihre menschliche Stärke.
Viele sind ja unter der Wucht der Schläge zusammengebrochen.
Jeder von uns hätte Verständnis dafür gehabt, wenn
Sie sich zurückgezogen hätten, um Ihre Enkel zu betreuen
und im übrigen in Bitterkeit und Trauer versunken wären.
Genau das haben Sie nicht getan. Sie treten für andere ein.
Sie haben sich mit anderen Angehörigen zusammengeschlossen.
Sie bestehen auf Aufklärung, auf Wahrheit und Gerechtigkeit.
Das erfüllt uns mit Dank und Bewunderung. Und gerade deshalb
freut uns Ihre Auszeichnung mit dem Bremer Solidaritätspreis.
IV.
Sie, sehr geehrter Herr Pfarrer Hauck, haben nach Ihrer Rückkehr
aus Argentinien zusammen mit vielen anderen Engagierten die Koalition
gegen Straflosigkeit hier in Deutschland aufgebaut. Davor gab es
auch schon Viele, die sich für die Aufklärung der Verbrechen
der Militärjunta eingesetzt hatten. Einfluss, Wirkung und politisches
Gehör bekamen sie jedoch erst, als sie sich zusammenschlossen
und mit dem internationalen Netz gegen Straflosigkeit verbanden.
Sie, Pfarrer Hauck haben in der Koalition für Straflosigkeit
mit Geschick, Hartnäckigkeit und Unverdrossenheit juristischen
Sachverstand und Öffentlichkeit mobilisiert; Sie haben Geld
zusammengesammelt, um Zeugen und Beweise nach Deutschland zu schaffen,
die als Voraussetzung für das Tätigwerden unserer Justiz
dringend erforderlich waren. Sie haben die Verantwortlichen in Bund
und Ländern immer wieder aufgesucht und an Ihre Verpflichtung
gemahnt. Dafür bedanken wir uns heute ausdrücklich bei
Ihnen. Deshalb erfüllt uns die Verleihung des Preises an Sie
mit Freude.
V.
Ich habe die Verantwortung und den Pflichten der Politik schon erwähnt
- und will jetzt auf sie zu sprechen kommen. Verantwortung und Pflichten
haben zunächst die auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Wert
legenden staatlichen Institutionen in Argentinien. Ich freue mich
auch deshalb ganz besonders, dass bei der Preisverleihung heute
ein Vertreter der argentinischen Regierung anwesend ist.
Meine Erfahrungen mit verantwortlichen argentinischen Politikern
und Gerichten liegen jetzt auch schon wieder mehr als 2 Jahre zurück.
Die Gespräche mit ihnen haben mir damals den Eindruck vermittelt,
es gehe endlich voran, es gebe gute Chancen für die Aufklärung
der Verbrechen, für die Anerkennung der Opfer und ihrer Leiden
und vor allem auch für die Zuordnung von Verantwortlichkeit
und für die Strafverfolgung vor argentinischen Gerichten. Heute
jedoch höre ich bisweilen, dass trotz mutiger Entscheidungen
argentinischen Richter und der eindrucksvollen Aktivitäten
zivilgesellschaftlicher Organisa-tionen, trotz Aufhebung der Amnestiegesetze
und Gerichtsverfahren mühsamer und zäher läuft als
wünschenswert und nötig wäre. Das sollte nicht so
bleiben.
VI.
Aber auch Deutschland, gerade auch unser Land steht in der Pflicht.
Natürlich können deutsche Behörden der argentinischen
Justiz oder Regierung nicht vorschreiben, was sie zu tun, und vor
allem zu lassen haben.
Aber, und auch
das muss an dieser Stelle gesagt werden, es erfüllt uns mit
Scham, wie wenig Anlass der damalige Außenminister, aber auch
andere Regierungsmitglieder gesehen haben, damals in der Zeit der
argentinischen Militärdiktatur zu helfen und zu handeln, also
noch Zeit und Möglichkeit bestanden hätte, Menschen zu
retten, die später ermordet wurden. Das ist beschämend
und wird noch bedrückender dadurch, dass wir im Hinblick auf
andere menschenverachtenden Diktaturen und Systeme wie etwa das
in Südafrika ähnliches festzustellen ist.
Dabei hatte
Willy Brandt, der große Sozialdemokrat und Friedensnobelpreisträger,
der auf dem Hintergrund seiner eigenen schmerzlichen Erfahrungen
mit Menschenrechtsverletzungen und furchtbaren Diktaturen selbst
so viel für Menschlichkeit und für die Möglichkeit
von Frieden zwischen den Völkern getan hat, längst allen
Politikern ins Stammbuch geschrieben, was ihre Aufgabe ist: "Die
ganze Politik", so hat er formuliert", kann mir gestohlen
bleiben, wo sie nicht dazu dient, Menschen in bedrängter Lage,
das Leben etwas leichter, etwas erträglicher zu machen".
Ich erinnere mich gut an die bitteren Äußerungen der
Ohnmacht, Trauer und Hilflosigkeit etwa von Prof. Käsemann,
dem Vater von Elisabeth Käsemann, beide, wie ich aus Tübingen.
Ich habe auch
meine eigene Wut als Abgeordnete noch gut in Erinnerung, wenn auf
Anfragen an die Deutsche Botschaft in Buenos Aires, aber auch ans
Auswärtige Amt selbst von honorigen Persönlichkeiten wie
etwa der Parlamentarischen Staatssekretärin Dr. Hamm- Brücher
immer wieder Auskünfte erteilt wurden wie:
"Eine Damen Käsemann in Argentinien ist nicht bekannt
und dort seit 8 Jahren auch nicht gemeldet" - wie wir wissen,
eine glatte Lüge.
Oder, nachdem
Prof. Käsemann darüber informiert hatte, dass und in welchem
Folterlager seine Tochter nachweislich gefangen gehalten wurde und
um Schutz und Hilfe für seine Tochter bat: "Ein Lager
dieses Namens ist uns nicht bekannt" oder, dann später
die Antwort, ja, die Militärs hätten Frau Käsemann
gefangen, aber sie sei "wohlauf". Diese Auskunft gaben
sie kurze Zeit bevor Elisabeth Käsemann liquidiert wurde.
Wir wissen längst,
dass deutsche Behörden hätten mehr eingreifen, entschlossener
handeln und damit ermordete Menschen hätten retten können.
Und uns beschämt die Berechtigung des Vorwurfs, die damalige
Politik der sog. stillen Diplomatie sei in Wirklichkeit eine Politik
des Nichtstuns gewesen .
Die deutsche
Bundesregierung hätte mehr erreichen können - andere Länder
haben das geschafft. Wir sehen auch am Schicksal des verehrten Oswaldo
Bayer, der heute auch anwesend ist, dass mutiges Eingreifen möglich
war und Menschen gerettet hat.
V.
Heute kann und muss es darum gehen, den Angehörigen der Opfer
zu helfen und Gerechtigkeit und Wahrheit durch Aufklärung und
hartnäckigem Insistieren auf der persönlichen Verantwortlichkeit
der Verbrecher zu befördern, wo immer das bei den Versäumnissen
der Vergangenheit noch möglich ist.
Auch dabei standen und stehen Deutschland nicht allein die allgemein-
politischen Möglichkeiten der zwischenstaatlichen Einflussnahme,
sondern zugleich spezifische juristische Instrumente immer da zur
Verfügung, wo auch deutsche Staatsangehörige unter den
Opfern waren.
Wir alle kennen
die - mittlerweile endlich erfolgreichen - Versuche, Rechtshilfeersuchen
zu stellen und Haftbefehle zu erwirken.
Im Augenblick
sehe ich, dass Viele hier in Deutschland mitwirken, die beantragten
und erlassenen Haftbefehle wirksam zu halten. Auch die mittlerweile
erfolgte vorläufige Einstellung eines Verfahrens wegen gesundheitlicher
Verhandlungsunfähigkeit in Argentinien wird durch die deutsche
Botschaft dort und den von ihr beauftragten Anwalt nicht aus den
Augen gelassen.
Auch wir Parlamentarier
behalten die Vorgänge im Auge.
Allerdings macht uns die Einstellung von weiteren, in Deutschland
angestrengten Verfahren Kummer. Zumal sie Menschen betreffen, die
ja nicht alleine Opfer der Militärjunta in Argentinien geworden
sind, sondern früher deshalb nach Argentinien gekommen waren,
weil sie als Juden von den Nazis ausgebürgert wurden.
Einige der Verfahrens-Einstellungen halte ich für mehr als
problematisch, bei anderen ist die Begründung der Einstellung
unerträglich. Ich habe deshalb viel Verständnis für
die durch die Koalition gegen Straflosigkeit eingelegten Beschwerden
und Dienstaufsichtsbeschwerden, sowie für die angestrengten
Klage-erzwingungsverfahren.
Bekanntlich ist über viele Verfahren noch nicht endgültig
entschieden. Und hier bestehen durchaus Möglichkeiten zu helfen.
So haben mir Kolleginnen und Kollegen aus den entsprechenden Bundes-
und Landesparlamenten zugesagt, mit Fragen an die zuständigen
Justizminister zu helfen.
Und - wir können
den Justizminister des Landes Bremen bitten, diesen Fragenkomplex
nicht nur mit seiner bayerischen Kollegin, sondern auch auf einer
Konferenz der Justizminister zu erörtern. Alles das kann Unmögliches
nicht möglich machen. Es wäre auch falsch, vergebliche
Hoffnung zu machen und unerfüllbare Erwartungen zu wecken.
Aber die gemeinsame Beratung aller dieser Fragen bringt vielleicht
doch noch neue Möglichkeiten ans Licht, stärkt den argentinischen
Behörden den Rücken bei ihrer Arbeit - oder hilft zumindest
dabei, neue Verletzungen der Angehörigen durch Einstellungsbegründungen
zu vermeiden.
VII.
Liebe
Preisträger,
es gibt noch einen weiteren Grund, warum Ihre Auszeichnung und die
Ihrer Leistung so wichtig ist.
Die Wirkungen Ihrer Jahrzehnte langen Arbeit reichen ebenso wie
unsere Verantwortung mittlerweile längst über den Bereich
Argentiniens und seiner Gesellschaft oder unseres Landes hier hinaus.
Wir betonen heute die verbindliche Geltung, die Unteilbarkeit und
die Universalität von Menschenwürde und Menschenrechten,
wie auch den Grundsatz der Verfolgung von schwersten Menschenrechtsverletzungen
längst nicht mehr allein als Verantwortung und Aufgabe von
Nationalstaaten gegenüber ihren Bürgern.
Die besteht natürlich und wird immer wichtiger.
Gleichzeitig liegt genau diese Aufgabe heute, wenn auch komplementär,
längst in der Verantwortung von Völkergemeinschaft und
Völkerrecht, ausgeübt durch Institutionen der Vereinten
Nationen, durch UN- Gerichte und insbesondere den Internationalen
Strafgerichtshof, den in Den Haag seine Arbeit aufgenommen hat.
Es war viel Arbeit, so weit zu kommen.
Es war schwierig, die Ratifizierung des Römischen Statutes
dieses Weltstrafgerichtshofs mittlerweile durch die Mehrheit der
Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen zu erreichen.
Deutschland
hat seine Unterstützung der Stärkung der Menschenrechte
und der globalen Ächtung früh durch die Ratifizierung
des Römischen Statuts und durch die Verabschiedung der notwendigen
innerstaatlichen Gesetze einschliesslich des neuen Völkerstrafgesetzbuchs
bekräftigt. Auch Argentinien ist dem Internationalen Strafgerichtshof
längst beigetreten und stellt mit den ersten Generalankläger
Moreno Ocampo einen eindrucksvollen und gerade in Menschenrechtsfragen
außerordentlich erfahrenen Juristen.
Erreicht werden
konnte das jedoch nur, weil in den letzten Jahren außerdem
auch wichtige Organisationen der Zivilgesellschaft, die in den einzelnen
Nationalstaaten ebenso wie auf globaler Ebene ihre Stimmen hören
ließen, dabei halfen.
Und deren Arbeit
wurde entscheidend beeinflusst und auch moralisch getragen von Ihren
Erfahrungen, Ihrer Aufklärungsarbeit und vor allem Ihrer Fähigkeit,
den verschwundenen und ermordeten Menschen und ihren Angehörigen
wieder eine Stimme zu geben.
Ihr Beitrag war und ist auch hier unendlich wertvoll, zumal wir
ja wissen, dass unser gemeinsames Ziel noch längst nicht erreicht
ist.
Ich meine das
Ziel der Selbstverständlichkeit der weltweiten Anerkennung
und Achtung der Menschenrechte und das gemeinsame Ziel der Selbstverständlichkeit
der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern, Hintermännern
und Befehlshabern in Militär und Politik.
Gerade in den
letzten Jahren macht uns die Aggressivität der unilateralen
Machtpolitik, machen uns die hinreichend bekannten gezielten Verstöße
gegen das Völkerrecht und das feindlich-kämpferische Vorgehen
gegen UN- Institutionen und insbesondere den Internationalen Strafgerichtshof
zu schaffen.
Wir dürfen aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren, das
Ziel, die Stärke des Rechts an die Stelle von ungerechter Machtpolitik
zu setzen - global.
Deshalb erstreckt
sich unsere Verantwortung heute auch auf diesen immer wichtiger
werdenden Bereich globaler Zusammenarbeit. Hier ist wiederum Jeder
von uns ganz persönlich gefordert, ob wir nun in politischen
Ämtern, in Organisationen der Zivilgesellschaft oder in anderen
Bereichen Verantwortung tragen.
Die Anerkennung, Achtung und Durchsetzung der Menschenrechte, die
Selbstverständlichkeit der Strafverfolgung auch von Militärs
und Politikern bei Vorwürfen schwerster Menschenrechtsverletzungen,
insgesamt also die Stärkung der "rule of law" gegenüber
macchiavellistischer und unilateraler Machtpolitik ist heute auch
in Verbindung der Good Governance - Strategie der Vereinten Nationen
längst zu einer der wichtigsten nationalen, regionalen und
globalen Aufgabe geworden.
Ihr zum Erfolg zu verhelfen ist überlebensnotwendig für
unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben, aber, wie wir wissen,
überaus mühsam. Die Widerstände sind groß,
Rückschläge absehbar.
Damit müssen wir fertig werden - und immer wieder neue Ansätze
finden. Das ist möglich, wie Ihre Erfahrungen, Ihre Ausdauer,
Ihre Kreativität und Hartnäckigkeit zeigen.
Auch hier sind Sie uns Vorbilder. Auch dafür danken wir Ihnen.
Nochmals herzlichen Glückwunsch zu der verdienten Auszeichnung
und herzlichen Dank für Ihre Arbeit.

©
Copyright 2005, Nürnberger Menschenrechtszentrum
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