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Gegen
die Straflosigkeit: Die Beispiele aus Frankreich, Italien und Spanien
Nach Angaben
internationaler Menschenrechtsorganisationen sind während der
argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) 15 französische
StaatsbürgerInnen verschwunden. Die bekanntesten Fälle
sind die der Nonnen Alice Domon und Leonie Duquet. Beide Frauen
waren Mitte der 70er in Argentinien als Missionarinnen tätig
und begleiteten seelsorgerisch die Arbeit der Familienangehörigen
der Verschwundenen. Sie wurden 1977 von den Einsatzgruppen der argentinischen
Marine festgenommen und ins Konzentrationslager "ESMA"
gebracht. Dort wurden sie zum letzten Mal lebend gesehen.
1990 hat ein
französisches Gericht in Paris den argentinischen Marinekapitän
Alfredo Astiz in Abwesenheit für das Verschwindenlassen von
Alice Domon und Leonie Duquet zur lebenslanger Haft verurteilt.
Der argentinische Offizier kann das südamerikanische Land nicht
mehr verlassen, da er international per Haftbefehl gesucht wird.
Astizs Laufbahn innerhalb der Marine wurde 1995 nur durch den Druck
der französischen Regierung unterbrochen.
Anfang Februar
1997 hat ein Gericht in Mailand, Italien, ein Ermittlungsverfahren
eröffnet, um die Verantwortlichen für den Tod von mehreren
hunderten italienischen StaatsbürgerInnen während der
argentinischen Militärdiktatur vor Gericht zu bringen. Untersucht
werden die Ermordung von Laura Carlotto, Roberto Morrese, Lucio
Mazzocchi, Daniel Ciuffo, Martino Mastinu und Mario Marras und das
Verschwindelassen von den Kindern Guido Carlotto und Alberto Fabbri.
Für diese Verbrechen sollen die Generäle Carlos Guillermo
Suarez Mason, Santiago Omar Riveros und Juan Carlos Gerardi sowie
die folgenden Mitglieder der Streitkräfte Alejandro Puertas,
Roberto Julio Rossin, Hector Maldonado und Jose Luis Porchetto angeklagt
werden.
Am kommenden
17.6.98 wird der italienische Richter Claudio D`Angelo in Rom entscheiden,
ob ein ordentliches und öffentliches Gerichtsverfahren eröffnet
wird. Während einer Argentinien-Reise im April 1998, hat der
italienische Premierminister Romano Prodi bekanntgegeben, daß
die italienische Regierung die Möglichkeit untersucht, in diesem
Verfahren als Nebenkläger aufzutreten.
Aufgrund einer
Eingabe des spanischen Staatsanwalts Carlos Castresana untersucht
der spanische Richter Baltasar Garzon seit 1996 das Schicksal spanischer
Staatsbürger während der argentinischen Militärdiktatur.
Im Laufe der Ermittlungen ist die Zahl der untersuchten Fällen
von 200 auf über 600 gestiegen. Nachdem die Zeugen gehört
worden sind, die sich in Spanien oder Europa aufhielten, reisen
zur Zeit Zeugen aus Argentinien zur Aussage vor Richter Garzon.
Im Verlauf seiner Ermittlungen hat der spanische Richter Haftbefehle
gegen den ehemaligen Militärdiktator Leopoldo Fortunato Galtieri
und den ehemaligen Oberbefehlshaber der Marine Emilio Eduardo Massera,
sowie gegen 11 weitere Mitglieder der argentinischen Streit- und
Sicherheitskräfte erlassen. Weitere 40 Offiziere wurden zur
Aussage vor ein spanisches Gericht zitiert. Bis heute hat nur der
reumütige Kapitän der Marine Scilingo ausgesagt.
Garzons Bemühungen
werden unter anderem von der schweizerischen Staatsanwältin
Carla del Ponte und der US-amerikanischen Justiz unterstützt.
Während der Ermittlungen sind neue Tatbestände ans Tageslicht
gekommen, wie z.B.: 1) Die Existenz von geheimen Schließfächern
und Konten in der Schweiz, wo die Schergen der Diktatur das Eigentum
der Verschwundenen aufbewahrten. 2) Der Aufenthalt von entführten
Kinder der Verschwundenen in Spanien. 3) Die Verschleppung von Frau
Molfino nach Spanien und ihre Ermordung in Madrid durch Mitglieder
der argentinischen Streitkräfte.
Im spanischen
Verfahren ist die "Asociacion Argentina Pro Derechos Humanos"
(Argentinischer Verein für die Menschenrechte - Madrid) Nebenklägerin.

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