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"Kommission der Mütter und Familienangehörigen der verhafteten-verschwundenen Deutschen und Deutschstämmigen in Argentinien


Die "deutschen Mütter", die Angehörigen der deutschen, deutsch-argentinischen und deutschstämmigen Opfer der Repression, organisierten sich Ende der 70er Jahre in enger Zusammenarbeit mit den "Madres de Plaza de Mayo". Sie wandten sich von Anfang an in erster Linie an die deutsche Botschaft und die Bundesregierung mit der Bitte um Hilfe, da laut Grundgesetz die Bundesregierung verpflichtet ist, BundesbürgerInnen im Ausland die "bestmögliche Hilfe" zukommen zu lassen. Die Bundesregierung stellte den Angehörigen eine gewisse Summe Geldes für Anwaltskosten zur Verfügung, entschied sich aber ansonsten für die "stille Diplomatie als wirksamste Hilfe" für die Opfer der Menschenrechtsverletzungen. Eine hochrangige Delegation der EKD, die im Dezember 1982 in Argentinien war und sich mit den Angehörigen der deutschen "Verschwundenen" traf, kam jedoch zu folgendem vernichtenden Urteil:"(...) daß die stille Diplomatie des Auswärtigen Amtes (...) nichts bewirkt hat. (...) Solange der politische Wille der Bundesregierung nicht sichtbar wird, ernsthaft für ihre verhaftet-verschwundenen Bürger in Argentinien einzutreten, solange braucht die argentinische Diktatur sich nicht genötigt fühlen, Rechenschaft abzulegen" (Abschlußbericht der EKD-Delegation). Während die Regierungen von Schweden, Irland, Italien und Spanien "verschwundene" Landsleute freibekamen, fühlten sich die Deutschen von ihrer Botschaft völlig im Stich gelassen. Frau Zieschank hatte sogar einen Hungerstreik vor dem Auswärtigen Amt in Bonn durchgeführt - mit keinem anderen Erfolg, als daß der damalige Kanzler Helmut Schmidt sich bei dem argentinischen Diktator General Videla nach dem Verbleib von Klaus Zieschank erkundigte, und sich mit der Antwort zufrieden gab, dieser sei bei einem Autounfall in Nordargentinien ums Leben gekommen.

Nachdem ihre jahrelangen Eingaben und Initiativen bei den offiziellen bundesdeutschen Stellen ohne Erfolg blieben, entschlossen sich die Angehörigen zu einer Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den damaligen Außenminister Genscher. Diese Anzeige wurde aus formellen Gründen niedergeschlagen. Nach dem Regierungswechsel in Bonn versprach der neue Bundeskanzler Helmut Kohl 1983 einer Delegation der deutschen Mütter (Ellen Marx und Idalina Tatter) Unterstützung, doch weiter geschah nichts. 76 Fälle von deutschen und deutschstämmigen "Verschwundenen" und Ermordeten waren damals bekannt. Lange Zeit hatten die Angehörigen die Hoffnung aufgegeben, daß sie noch irgendwann Neues über das Schicksal ihrer Lieben erfahren würden, oder gar die Chance hätten, die Folterknechte vor Gericht zu sehen. Viele von ihnen sind hochbetagt und gebrechlich, manche verbittert. Die Information, in Deutschland könnte es Prozesse wie in Italien und Spanien geben, hat neues Leben in die Comisión der Angehörigen gebracht. Es gehen sogar heute - 15 Jahre nach Ende der Diktatur - Meldungen von bisher unbekannten Fällen von Menschenrechtsverletzungen an Deutschen und Deutschstämmigen ein.

Für die Einreichung der Anklageschrift kamen zwei Angehörige nach Deutschland kommen:

Frau Idalina TATTER, Ehefrau des 1976 "verhaftet-verschwundenen" Federico Jorge Tatter (*8.12.22). Sie war bereits 1983 als Vertreterin der "deutschen Mütter" in der Bundesrepublik.

Frau Betina EHRENHAUS, 1979 verhaftet zusammen mit Pablo Armando Lepiscopío. Beide wurden ins berüchtigte Folterzentrum der Marine, ESMA, verschleppt. Frau Ehrenhaus wurde entlassen, von ihrem Partner fehlt weiterhin jede Spur.


 

 

 
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