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Verschwundene
Gewerkschafter während der Militärdiktatur
Rechtsanwalt
Wolfgang Kaleck, Berlin
Vorsitzender des Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein
(RAV)
Die Geschichte
ist mitunter ungerecht. So symbolisiert der Putschistengeneral Pinochet
aus Chile bis heute die Ausgeburt des Bösen. Die Bilder von
seinem blutigen Putsch im September 1973 gingen um die ganze Welt.
Seine Verhaftung im Oktober 1998 in London belebte diesen Mythos.
Doch das Unrecht, das die lateinamerikanischen Militärs in
den 70er und 80er Jahren begangen haben, lässt sich nicht auf
wenige medienwirksame Bösewichte beschränken.
Die argentinische Militärdiktatur unter Führung von General
Jorge Rafael Videla war geschickter und leider auch effektiver in
ihrem Vorgehen als ihre chilenischen Waffenbrüder. Doch bis
heute ist vielen Zeitgenossen unbekannt, dass die Völkermordanzeige
gegen die Verantwortlichen in Argentinien durch spanische Menschenrecht-
und Juristenorganisationen weit vor den Klagen gegen die chilenischen
Militärs eingereicht worden war.
Bis heute halten sich Erklärungsmuster, wonach die argentinischen
Militärs nur die eigene Nation gerettet hätte, die von
der bewaffneten Subversion von Links bedroht worden sei. Die Repression
war weniger sichtbar in Chile. Die argentinischen Junta-Chefs und
ihre Schergen ließen über 30.000 Menschen endgültig
"verschwinden", viele Zehntausende wurden illegal in geheime
Haftzentren inhaftiert und schwer gefoltert.
Nur wenige Kapitel
dieser dunklen Geschichte sind so geeignet, die teilweise bis heute
erfolgreichen Propagandalügen der Militärs zu entlarven,
wie die Repression gegen Gewerkschafter.
Dabei sind die
Zahlen eindeutig: Im Nunca-Mas-Bericht wird festgehalten, dass allein
30 % der Verschwundenen Arbeiter waren, weitere 17,9 % Angestellte,
selbst von dem 21-prozentigen Anteil an Studenten hat jeder Dritte
gearbeitet. Ausgehend von diesem Befund analysierte der oppositionelle
Gewerkschaftsverband CTA (Central de los Trabajadores Argentinos)
die Repression der Militärs gegen die argentinische Arbeiterbewegung.
Die CTA kam zu dem Schluss, dass ein Plan der großen Konzerne
Argentiniens und der bewaffneten Streitkräfte existierte, um
einen Staatsterrorismus zu implementieren. Dieser habe die Arbeiterbewegung
quasi enthauptet; viele Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte
wurden entführt, gefoltert und ermordet. Das Ziel der Koalition
aus Unternehmern und Militärs war es, die Arbeiterklasse sozial
zu disziplinieren, eine ökonomische Konzentration durch Massenentlassungen
durchzusetzen und größere Gewinne zu erzielen. Im März
1998 übergab eine Abordnung der CTA dem spanischen Untersuchungsrichter
Baltasar Garzón eine Völkermordanzeige wegen der Verfolgung
der argentinischen Arbeiterklasse. Darin berufen sich die Juristen
auf eine Auslegung der Völkermordkonvention, wonach die verfolgte
Gruppe nicht nur ethnisch (wie die Indigenas in Guatemala) oder
religiös (Juden) definiert sein kann, sondern auch nach politisch-soziologischen
Kriterien. Auf insgesamt 500 Seiten wird die Zusammenarbeit zwischen
Militärs und Wirtschaftsunternehmen und das Ausmaß der
Verfolgung gegen die Gewerkschafter detailliert beschrieben. Im
einzelnen werden die bekanntesten Fälle der Repression gegen
Arbeiter dargelegt.
Der Fall
Ford
In dem großen
Industriegürtel im Norden von Buenos Aires existierten insbesondere
in den Automobilfabriken Ford, Renault und Mercedes starke kämpferische
unabhängige Betriebsräte. Im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen
und höhere Löhne mussten sich diese Betriebsräte
nicht nur mit den Unternehmensleitungen auseinandersetzen, sondern
auch mit der korrupten Automobilgewerkschaft SMATA.
In der Ford-Niederlassung
in General Pacheco in der Provinz Buenos Aires wurden zahlreiche
Arbeiter, vor allem Betriebsräte, auf dem Gelände des
Unternehmens festgenommen, teilweise zusammengeschlagen und dann
in firmeneigenen Autos in klandestine Haftzentren gebracht. Dort
wurden sie dann gefoltert und danach teilweise wieder entlassen.
Während ihrer manchmal mehrmonatigen Haftzeit wurden die Arbeiter
von Ford fristlos gekündigt. Der Kündigungsgrund lautete
"unentschuldigte Abwesenheit" vom Arbeitsplatz.
Der Fall
der Zuckerfabrik Ingenio Ledesma
In der kleinen
Ortschaft San Martin war am 24.03.1976, dem Tag des Militärputsches,
der Bürgermeister und Gewerkschaftsarzt, Louis Aredez, entführt
worden. Der Bürgermeister hatte zuvor mehrfach bei der Zuckerfabrik
vorgesprochen und die Bezahlung der Gemeindeabgaben eingefordert.
Er hatte als Arzt die Firmenleitung aufgefordert, Filteranlagen
einzubauen, um die Umweltvergiftung durch die Zuckerraffinerie einzudämmen.
Am 24.06.1976, der sogenannten Nacht des Stromausfalles, verhafteten
Militärs und Nationalpolizei gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst
der Zuckerfabrik Hunderte von der Polizei bekannten Arbeiter der
Fabrik und transportierten diese mit firmeneigenen Fahrzeugen in
die Folterzentren. Hunderte blieben teilweise Jahre in irregulärer
Haft und wurden dort schwer gefoltert. Mindestens 30 bleiben verschwunden.
Der Fall
Mercedes-Benz
Die Liste solcher
Beispiele könnte beliebig verlängert werden. Sie belegen,
dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine gezielte
Verfolgung legal auftretender Gewerkschafter handelte. Auch in deutschen
Unternehmen gehörte dies zur täglichen Praxis, wie der
Fall der verschwundenen Gewerkschafter von Mercedes-Benz zeigt.
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen in erster Linie auf
Recherchen der in Montevideo lebenden Journalistin Dr. Gabriele
Weber, die sie in mehreren Radiofeatures veröffentlichte. Im
Anschluss an das erste Feature reichte der Republikanische Anwältinnen-
und Anwälteverein (RAV) am 27.09.1999 bei der Staatsanwaltschaft
Berlin eine Strafanzeige ein. Diese richtet sich gegen die beiden
überlebenden Ex-Junta-Mitglieder, Jorge Rafael Videla und Emilo
Eduardo Massera, sowie gegen den deutschen damaligen Werksleiter
der Mercedes-Niederlassung in Gonzales Catan/ Provinz Buenos Aires,
Juan Tasselkraut, sowie gegen weitere unbekannte damalige Verantwortliche
von Mercedes-Benz in Argentinien und in Deutschland.
Diese Strafanzeige
wurde nach entsprechender Zuständigkeitsbestimmung durch den
Bundesgerichtshof an die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth
verwiesen. Dort wird sie mit den anderen 12 Einzelfällen deutscher
und deutschstämmiger Verschwundener unter einem Sammelaktenzeichen
bearbeitet. Ebenso wie in den anderen Fällen wird derzeit in
dem Fall Mercedes-Benz auf die Vernehmung der benannten Zeugen bei
der Deutschen Botschaft in Buenos Aires gewartet. Die Zuständigkeit
der deutschen Strafjustiz ist nach dem sogenannten aktiven Personalitätsprinzip
zweifellos gegeben, da der beteiligte Mercedes-Manager Juan Tasselkraut
zum Tatzeitpunkt deutscher Staatsbürger war. Aber auch zwei
der Opfer, Jorge Leichner und Esteban Reimer sind deutscher Abstammung,
wenn sie auch nach bisher vorliegenden Erkenntnissen zur Tatzeit
keinen deutschen Pass hatten.
In mehreren
Verhaftungswellen wurden 1976 und 1977 mindestens 13 Gewerkschafter
des Mercedes-Werkes in Gonzales Catan verhaftet. Es handelt sich
um Ruben Oscar Caddeo, Miguel Grieco, José Vizzini, Esteban
Reimer, Victor Hugo Ventura, Charles Del Carmen Grossi, Fernando
Omar Del Connte, Hector Belmonte, Diego Eustaquio Nunez, Alberto
Gigena, Juan José Mosquera, Alberto Francisco Arenas, Jorge
Alberto Leichner Quilodran. Nach bisher vorliegenden Informationen
überlebten nur zwei von ihnen. Die aktuelle Strafanzeige beruht
auf den Aussagen einer der Überlebenden Hector Hannibal Ratto.
Dieser war wie seine verschwundenen Kollegen Mitglied des unabhängigen
Betriebsrates. Am 12.08.1977 wollten ihn Soldaten beim Betreten
des Firmengeländes in Gonzales Catán verhaften. Sie
begingen jedoch einen Fehler, der später sein Leben retten
sollte. Sie nahmen nämlich nicht Hector Ratto, sondern Juan
Jose Ratto am Werkseingang gefangen und bemerkten wenig später
den Irrtum. Zu diesem Zeitpunkt war Hector Ratto schon in der Fabrik.
Er wurde dann vom Sicherheitsdienst aufgesucht. Dieser teilte ihm
mit, dass seine Frau wegen eines Unglücksfalles von zu Hause
angerufen habe und er in seine Wohnung zurückkehren solle.
Da bereits in der Nacht zuvor der Betriebsratkollege Del Connte
verschleppt worden war, witterte Hector Ratto die Falle und erklärte,
dass man ihn am Tor abfangen wolle und er deshalb das Werk nicht
verlassen wolle. Kollegen von ihm fuhren im übrigen zur gleichen
Zeit in seine Wohnung und konnten nach Rücksprache mit seiner
Frau berichten, dass dort alles in Ordnung war.
Nachdem mehrere
Versuche der Vorgesetzten gescheitert waren, Hector Ratto zum Verlassen
des Geländes zu bewegen, wurde er vom Werksleiter Tasselkraut
in dessen Büro gebeten. Dort erwarteten ihn zwei Polizisten
in Zivil. Vor seinem Abtransport durch uniformierte Armeeangehörige
wurde Hector Ratto Zeuge folgenden Vorganges:
Tasselkraut
erhielt einen Anruf aus der Personalabteilung. Anschließend
übergab er die Adresse des Betriebsratkollegen Diego Nunez
den wartenden Polizeibeamten. Später wurde bekannt, dass Diego
Nunez in der Nacht vom 12. auf den 13.08.1977 ebenfalls entführt
und anschließend umgebracht wurde. Ratto selbst wurde zunächst
in die nahegelegene Polizeiwache San Justo verbracht. Anschließend
brachte man ihn in das klandestine Folterzentrum Campo de Mayo.
Dort wurde er mit Elektroschocks gefoltert. Von den Folterungen
ist er bis heute an den Armen teilweise gelähmt. In der Kaserne
bekam er mit, dass seine Kollegen Gigena, Deconnte, Mosquera, Arenas
und Leichner sich ebenfalls dort befanden. Am 31.08.1977 wurden
Ratto und andere Gefangene auf den Hof geführt. Einer nach
dem anderen wurde aufgerufen und musste einen Lastwagen besteigen.
Ratto glaubte, dass er nun entlassen werde, da ja gegen ihn nichts
vorlag. Als dann seine Nummer aufgerufen wurde, legte ihm ein Aufseher
die Hand auf die Schulter und sagte "du bleibst hier".
Hinterher erfuhr Ratto, dass die anderen Gefangenen in ein Flugzeug
gesetzt und über dem Meer abgeworfen worden waren. Ratto wurde
dann in sogenannte legale Haft verbracht und nach weiteren 19 Monaten
entlassen. Er glaubt, dass er nur deswegen überlebt hat, weil
er am Arbeitsplatz, also in der Öffentlichkeit, ergriffen wurde.
Dies lag daran, dass den Militärs seine Adresse nicht bekannt
war. Er hatte dem Werk seine neue Anschrift noch nicht mitgeteilt.
Deswegen sollte seine Verhaftung vor dem Werksgelände geschehen.
Auf Grund des geschilderten Irrtums geschah sie dann im Werk. Die
anderen verschwundenen Betriebsräte waren alle nachts von zu
Hause verschleppt worden. Ihre Adressen waren den Militärs
bereits bekannt oder wurden ihnen durch die Firmenleitung mitgeteilt.
Diesen Sachverhalt hat Ratto bereits am 27.5.1985 vor dem argentinischen
Bundesgericht als Zeuge im Prozess gegen die Junta-Chefs geschildert.
Deswegen taucht sein Fall auch als Nr. 96 im Urteil gegen die Junta-Mitglieder
auf. Er wird als Freiheitsberaubung eingestuft, die von einer bewaffneten
Gruppe durchgeführt wurde, die dem argentinischen Heer angehörte.
Die direkte
Kooperation zwischen Unternehmen und Militärs wird auch bei
einem weiteren Fall deutlich: Bereits in der Nacht vom 4.auf den
5.1.1977 waren zwei der aktivsten Betriebsräte, Esteban Reimer
und Hugo Ventura verschleppt worden. Sie waren die Verhandlungsführer
des Betriebsrates, die am Vormittag des 4.1.1977 in der Mercedes-Firmenzentrale
in der Innenstadt von Buenos Aires einen langen Forderungskatalog
übergeben hatten. Als der Betriebsrat Reimer dann am frühen
Abend zu seiner Familie nach Hause kam, berichtete er seiner Ehefrau
Maria Luján Reimer, dass die Gespräche mit den Managern
harmonisch verlaufen seien und alle Forderungen akzeptiert wurden.
Er hatte den Eindruck, dass daran etwas faul sei. In der selben
Nacht wurden Reimer und Ventura von Militärs verschleppt. Im
nachhinein stellte sich heraus, dass Mercedes-Benz etwa zehn Jahre
lang den Hinterbliebenen von insgesamt acht verschwundenen Betriebsräten
eine Art Rente auszahlte. Der Grund für diese Rente wurde nach
Angaben der Schwester des verschwundenen Hugo Ventura, Maria Ester
Ventura nie genannt. Sie ist jedoch davon überzeugt, dass die
Firma damit einen Teil der Verantwortung an der Ermordung der Arbeiter
übernommen hat.
Aus naheliegenden
Gründen konnte bis jetzt eine Zusammenarbeit der Firmenzentrale
in Stuttgart-Untertürkheim und der argentinischen Mercedes-Führung
mit den Militärs nur indirekt nachgewiesen werden. Denn die
maßgeblich Beteiligten der damaligen Zeit schweigen hartnäckig.
Unterlagen über die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen
und den Militärs wurden bisher nicht vorgelegt. Es finden sich
allerdings in einem anderen Zusammenhang Hinweise darauf, dass die
Mercedes-Firmenleitung Hinweise auf Namen und Anschriften von im
Betrieb aktiven Gewerkschaftern den Sicherheitsbehörden übergeben
hat. Dies soll im Rahmen der Ermittlungen zur Entführung des
Mercedes-Produktionsleiters Heinrich Metz im Herbst 1975 geschehen
sein. Dabei konnte der damalige Justitiar der Firma zwar keine Angaben
zum Tathergang machen, nannte aber den Behörden mehrere Namen
von Gewerkschaften, die angeblich im Betrieb als "Agitatoren"
und "Kommunisten" aufgefallen waren, darunter den Namen
des später entführten Hugo Ventura.
Die Indizien
gegen den ehemaligen Werksleiter Juan Tasselkraut sind jedoch so
stark, dass kaum ein Zweifel daran besteht, dass er sich einer Beihilfe
zum Mord schuldig gemacht hat. Tasselkraut war zum damaligen Zeitpunkt
der einzige noch verbliebene deutsche Manager in der Firmenleitung
in Buenos Aires. Es ist nicht davon auszugehen, dass er aus eigenem
Antrieb und ohne entsprechende Weisung von höheren Stellen
gehandelt hat. Dies belegt nicht nu der zeitliche Zusammenhang zwischen
den Verhandlungen der Firmenleitung mit den Betriebsratdelegierten
Ventura und Reimer und deren Verhaftung am 04.01.1977. Auch die
Auszahlungen einer jahrelangen Rente an die Familienangehörigen
der verschwundenen Betriebsräte ist ein Indiz.
Dazu kommt,
dass ein berüchtigter Folterknecht jahrelang bei Mercedes-Benz
als Chef des Sicherheitsdienstes gearbeitet hat. Luis Lavallen war
ausgerechnet Leiter der Brigada de Investigaciones in San Justo,
wo u.a. Hector Ratto nach seiner Verhaftung die ersten Folterungen
erlitt. Lavallen nutzte seine polizeiliche Führungsposition
nicht nur dazu, um seine berufliche Karriere bei Mercedes-Benz einzuleiten.
In dieser Funktion war er seit Ende der 60er Jahre gut mit dem Mercedes-Direktor
Pedro de Eliás bekannt, der ihm später auch die Anstellung
verschaffte. Im Mai 1978 waren in Uruguay im Rahmen der "Operacion
Condor" die Oppositionellen Claudio und Monica Logares gefangen
genommen worden. Sie wurden gemeinsam mit ihrer knapp zweijährigen
Tochter Paula in die Brigada von Kommissar Lavallen gebracht. Claudio
und Monica Logares sind seitdem verschwunden. Kommissar Lavallen
nahm die Tochter Paula Logares kurzerhand mit nach Hause und ließ
diese als seine leibliche Tochter eintragen. Der Fall Paula Logares
war dann nach der Demokratisierung 1984 der erste Fall von mittlerweile
mindestens 400 bekannt gewordenen Kindesentführungen. Lavallen
wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er nur
ein Jahr und acht Monate verbüßte. Bis zu diesem Zeitpunkt
war er bei Mercedes-Benz als Chef des Sicherheitsdienstes aktiv.
Bei der einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses
wurde er nicht nur großzügig abgefunden. Im Zeugnis vom
5.4.1984 wurde ihm bescheinigt, er habe "seine Arbeit optimal
und vertrauenswürdig verrichtet".
Auch in den
damaligen Geschäftsberichte von Daimler-Benz wird eine klare
Sprache gesprochen. So hieß es im Geschäftsbericht 1975:
"Die Gesellschaft
hat 1975 unter schwierigsten Verhältnissen - auch für
die persönliche Position der leitenden deutschen Mitarbeiter
- wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Dank der inzwischen
erreichten allgemeinen Fortschritte in der Ordnung der Arbeitsverhältnisse
des Landes wird für 1976 wieder ein positives Ergebnis erwartet."
Nachdem der
Putsch positiv kommentiert wurde, konnte dann im Geschäftsbericht
1976 ausgeführt werden:
"Die politische
und wirtschaftliche Stabilisierung in Argentinien seit Frühjahr
1976 sowie die getroffenen geschäftspolitischen Maßnahmen
haben sich positiv auf das Unternehmen ausgewirkt. Aufgrund der
gegenwärtigen Entwicklungen in Argentinien kann auch für
das Jahr 1977 mit einem positiven Ergebnis gerechnet werden."
Ein Jahr später
hieß es dann:
"Der in
Argentinien im Frühjahr eingeleitete Stabilisierungsprozess
setzte sich - bei weiterhin allerdings hoher Inflationsrate - auch
im Berichtsjahr fort und hat sich insgesamt positiv auf die Geschäftsentwicklung
des Unternehmens ausgewirkt."
Deutsch-Argentinische
Wirtschaftsbeziehungen
Die Mercedes-Benz-Leitung
stand allerdings mit ihrem argentinischen Engagement keineswegs
alleine. Im Juli 1976, also zur Hochzeit von Verhaftungen und Folter,
wurde der argentinische Wirtschaftsminister Martinez de Hoz in Deutschland
empfangen. Nach den Mitteilungen der deutsch-argentinischen Industrie-
und Handelskammer im September 1976 schwärmte der Wirtschaftsminister
nach seiner Rückkehr:
"Ich konnte
da das große freundschaftliche Gefühl verspüren,
das in Deutschland unserem Land gegenüber existiert. Es herrschte
regelrechte Freude über das, was man als die Chancen für
den Wiederaufstieg eines ernsthaften, stabilen, starken und potenten
Argentinien verstand."
Dementsprechend
wurden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und der argentinischen Militärdiktatur verstärkt. So besuchte
im Juni 1977 der Ehrenpräsident des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie, Dr. Hans-Günter Sohl die Militärdiktatur. Im
Jahr 1976 wurde ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen; 1977
wurden mehrere zweiseitige Fischereiverträge geschlossen. Es
kam zum Vertragsabschluss mit der Siemens-Tochter KWU über
den Ausbau eines Atomkraftwerkes in Argentinien. Ende 1977 genehmigte
das Bundeskabinett eine Bürgschaft für die Lieferung von
Unterseeboten durch die Thyssen-Nordseewerke. Die Firma Thyssen-Henschel
aus Kassel lieferte Panzerfahrzeuge des Typs TAM nach Argentinien.
In deutscher Lizenz wurden Panzer, U-Boote, Schnellboote, Torpedos
u.a. in Argentinien gebaut.
Die Recherchen
und strafrechtlichen Ermittlungen im Falle von Mercedes-Benz haben
diesseits und jenseits des Atlantik einige Aktivitäten ausgelöst.
In Argentinien hat sich eine kleine Gruppe ehemaliger Mercedes-Gewerkschafter
gebildet. Sie wollen mithelfen, die Verbrechen an ihren Kollegen
aufzuklären. Sie haben den Fall in Argentinien öffentlich
gemacht. Zwei von ihnen machen zudem eine Entschädigung für
zu Unrecht erlittene Haft gegenüber dem argentinischen Staat
geltend. Sie werden dabei von dem argentinischen Gewerkschaftsverband
CTA unterstützt.
In Deutschland
haben die Kritischen Daimler-Aktionäre schon kurz nach Einreichung
der Strafanzeige im Herbst 1999 gefordert, dass Juan Tasselkraut
von seiner derzeitigen Funktion im Daimler-Chrysler-Management suspendiert
und der Fall nach Kräften aufgeklärt wird. Im November
2000 hat auch der Betriebsrat im Stammwerk Untertürkheim reagiert.
Er fordert eine umfassende Aufklärung des Falles und stellt
eine Reihe von Fragen an den Vorstand von Daimler-Chrysler. Bis
heute sind die Fragen der Betriebsräte unbeantwortet geblieben.
Das Weltunternehmen versucht, den Fall auszusitzen. Doch nicht nur
die wachsende Zahl von Presseveröffentlichungen - eine sehr
gute Dokumentation des Falles befindet sich auf der Homepage der
kritischen Gewerkschafter von www.labournet.de , sondern auch eine
Vielzahl von eingeleiteten juristischen Initiativen und vor allem
die öffentliche Reaktion auf den Fall zeigen, dass Menschenrechtsverletzungen,
die vor 25 Jahren unter Mitwirkung deutscher Unternehmen im fernen
Argentinien geschehen sind bis heute unvergessen bleiben. Das Verfahren
bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg läuft ebenso weiter
wie die juristischen Bemühungen, in Deutschland und in Argentinien
Entschädigungen für die zu Unrecht gefolterten und inhaftierten
und zu Unrecht gekündigten Überlebenden einzuklagen.
Referat für
die Tagung vom 31.01.2001 bis 02.02.2001 in der Evangelischen Akademie
Bad Boll :
Verschwunden in Argentinien - aus und vorbei?
Menschenrechte in den künftigen deutsch-argentinischen Beziehungen

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