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Apell
des Friedensnobelpreisträgers Adolfo Pérez Esquivel
gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens der Fälle deutsch-jüdischer
Verschwundenen
Buenos Aires,
den 18. Februar 2000
Herrn Oberstaatsanwalt
Grandpair
Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth
Nürnberg
Sehr geehrter Herr Oberstaatsanwalt Grandpair,
ich schreibe
Ihnen diese Zeilen in allergrößter Bersorgnis. Ihre Ankündigung,
dass Sie beabsichtigen vier Fälle von Deutschstämmigen,
die in meinem Land verschwanden, einzustellen, zeigt ein Fehlen
von Interesse an der Aufklärung dieser schweren Straftaten.
Die Familien
von Leonor Marx, Alicia Oppenheimer, Walter Rosenfeld und Juan Miguel
Thanhauser mussten aufgrund der nazionalsozialistischen Verfolgung
aus Deutschland fliehen. In Argentinien wurden sie dann in den Jahren
1976 und 1983 Opfer der Militärdiktadur. Sie hatten aufgrund
der unmoralischen und illegalen Gesetze der Anmestie keinerlei Möglichkeiten
Wahrheit und Gerechtigkeit zu erlangen.
Ich begleitete
persönlich Angehörige von verschwundenen Deutschen nach
Bonn und Nürnberg, um bei der deutschen Justiz Strafanzeigen
einzureichen. Dies geschah in der Überzeugung, dass sich auf
der Straflosigkeit, die in Argentinien herrscht, keine Demokratie
aufbauen lässt.
Ich denke, dass
Sie die angezeigten Straftaten untersuchen sollten und damit dem
Umstand Rechnung tragen, dass die Eltern der Opfer die deutsche
Staatsangehörigkeit hatten und dass das einzige, worum sie
bitten, juristische Hilfe ist, Wahrheit und Gerechtigkeit.
Ich bitte Sie
mit allem Respekt, dass Sie die Verfahren nicht einstellen, um die
Straflosigkeit nicht zu forcieren.
In der Hoffnung,
dass Sie meinem Apell Beachtung schenken, verabschiede ich mich
mit den besten Wünschen.
Adolfo Pérez
Esquivel
Friedensnobelpreisträger 1980

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