|
Koalition
gegen Straflosigkeit fordert Unterzeichnung der Konvention gegen
das gewaltsame Verschwinden
Pressemitteilung
Nürnberg 02.02.2007
Die Koalition
gegen Straflosigkeit, ein bundesweites Netzwerk zur Bekämpfung
der Straflosigkeit in Fällen des gewaltsamen Verschwindens
von deutschen und deutschstämmigen Personen während der
argentinischen Militärdiktatur (1976-83), arbeitet seit Jahren
mit Organisationen und Netzwerken zusammen, die sich für eine
weltweite Ahndung dieses Verbrechens gegen die Menschheit einsetzen.
Nach über
zwanzig Jahren Bemühungen von Seiten von Nichtregierungsorganisationen
wurde im Juni 2005 nach vielen Verhandlungen der endgültige
Text für eine UN-Konvention zum Schutz aller Personen
vor dem gewaltsamen oder unfreiwilligen Verschwinden offiziell
von der Staatengemeinschaft angenommen und im Dezember 2006 von
der UN-Vollversammlung bestätigt.
Am kommenden
6. Februar haben Staaten die Möglichkeit, auf einer in Paris
stattfindenden Zeichnungskonferenz diese Konvention zu unterschreiben.
Dies ist der erste Schritt zur Ratifizierung.Auch wenn nach Beendigung
der Militärdiktaturen in Lateinamerika in den 90er Jahren ein
markanter Rückgang der massiven und systematischen Praktizierung
dieses Verbrechens zu verzeichnen war, ist das Verschwindenlassen
leider in anderen Teilen dieser Welt heute gängige Praxis,
oft unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Terror.Die
Koalition gegen Straflosigkeit beobachtete seit Beginn der Verhandlungen
über den Inhalt der Konvention mit Besorgnis die zunächst
skeptische Haltung der Bundesregierung, denn dieser schien der Schutz
von Daten ein wichtigeres Anliegen als der von Menschen bei illegaler
Verhaftung und spurlosem Verschwinden. Diese Vorbehalte
wurden erst zurückgenommen, als sich Deutschland in sehr schlechter
Gesellschaft von vehementen Gegnern der Konvention wiederfand, wie
z.B. Russland, China, Indien und die USA, und seine weitere Kritik
im internationalen Zusammenhang eher peinlich gewirkt hätte.
Die Koalition
gegen Straflosigkeit erwartet von der Bundesregierung, insbesondere
aufgrund ihres derzeitigen Vorsitzes in der EU-Ratspräsidentschaft,
dass sie die Zeichnungskonferenz in der kommenden Woche als Anlass
benutzt, ihre endgültige und vorbehaltlose Zustimmung zu dieser
Konvention zu geben. Sie stellt ein wertvolles Instrument zur weltweiten
Bekämpfung dieses grausamen und für die Hinterbliebenen
besonders schmerzvollen Verbrechens dar.
Nürnberg
02.02.2007
Für Rückfragen:
Sprecherin der Koalition:
Dr. Angelika Denzler: Tel: 07041 941035
Esteban Cuya: Tel: 0911-230 5550

©
Copyright 2006, Nürnberger Menschenrechtszentrum
|