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Koalition gegen Straflosigkeit übergibt im Rahmen der Kampagne
"Fußball und Menschenrechte" die ersten 1000 Unterschriften an den DFB.

Nürnberg 20.02.06

In einem Brief an den Präsidenten des Deutsche Fußballbund (DFB) fordert das Menschenrechtsnetzwerk im Auftrag der Angehörigen von Verschwundenen anlässlich der WM 2006 in Deutschland, dass sich der Deutsche Fußballbund für sein Verhalten während der WM 1978 in Argentinien bei den Angehörigen verschwundener und ermordeter Deutscher und Deutschstämmiger entschuldigt und Menschenrechtsleitlinien für zukünftige sportliche Großveranstaltungen erarbeitet.

Seit mehreren Wochen macht die "Koalition gegen Straflosigkeit" mit ihrer aktuellen Kampagne "Fußball und Menschenrechte" auf das Verhalten des DFB. während der argentinischen Fußballweltmeisterschaft aufmerksam. Dazu wurde extra eine Ausstellung erstellt die inzwischen von mehreren tausend Menschen besucht wurde. In der Folge wurde die in diesem Kontext initiierte Unterschriftenaktion bisher von ca. 1000 Personen unterstützt. Diese Unterschriften wurden am 15.02.06 nun dem DFB übergeben.

Anlässlich der WM 2006 in Deutschland

Im März 2006 jährt sich der blutige Militärputsch in Argentinien (1976) zum 30sten Mal. Nach fast drei Jahrzehnten sind die Wunden bei den überlebenden Opfern der Diktatur und den Angehörigen nicht geheilt. Eine zum diesem Thema erarbeitete Ausstellung zeigt, wie die argentinische Militärdiktatur die WM 1978 in ihrem Lande dazu nutzte, ihren wegen Menschenrechtsverletzungen beschädigten Ruf aufzupolieren, und wie der Deutsche Fußballbund und die deutsche Bundesregierung sie sehenden Auges dabei unterstützten.

Fußball und Menschenrechte

Fußball und Menschenrechte lassen sich nicht trennen, das hat die WM 78 in Argentinien gezeigt.
Die argentinischen Militärs wollten mit der Fußballweltmeisterschaft 1978 der Welt zeigen, wie es in Argentinien "wirklich" aussähe. Die Welt war 1978 nach Argentinien gekommen, um "friedlich" Fußball zu spielen. Doch in der Hauptstadt Buenos Aires lagen die Folterzentren nur wenige hundert Meter von den Fußballstadien entfernt. Ehemalige Gefangene berichteten später von den lauten Rufen der Fußball-Fans, die sie bis in ihre Verliese hören konnten.

Die Koalition erinnert: Menschenrechtsorganisationen hatten schon kurz nach dem Militärputsch 1976 darauf hingewiesen, dass in Argentinien eine Diktatur wüte und dass es moralisch nicht vertretbar sei, zum Spielen nach Argentinien zu fahren. Bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft gab es in Argentinien 20,000 Opfer - unter ihnen über 50 Deutsche und Deutschstämmige, was der Bundesregierung bekannt war.

Trotz dieser Forderungen und Warnungen nahm die Deutsche Nationalmannschaft an der WM in Argentinien teil. Hieran lässt sich erkennen, dass sowohl die Deutsche Bundesregierung als auch der Deutsche Fußballbund kein Interesse an den Menschenrechtverletzungen in Argentinien zeigten und die sich für die Bevölkerung abspielende Tragödie ignorierten. Das war eine große Fehler.

Esteban Cuya, Koordinator der Koalition: "Ein wichtiger Schritt in Richtung Vergangenheitsbewältigung ist das Erkennen der eigenen Versäumnisse und Fehler. Es wäre auch ein wichtiges Signal für die Angehörigen der Verschwundenen. Der erlittene Schmerz der Opfer endet nicht mit dem Fall der Diktatur - Gesten der Entschuldigung und der Solidarität können aber ein Beginn der moralischen Aufarbeitung sein".

Nachstehend die Forderungen der "Koalition gegen Straflosigkeit"

* Wir fordern vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) - vor dem Hintergrund der Notwendigkeit einer umfassenden generellen Aufarbeitung der politischen Geschichte des deutschen Fußballs - eine Auseinandersetzung mit seinem skandalösen Auftreten vor und während der Fußball-Weltmeisterschaft 1978, und eine Entschuldigung bei den Familienangehörigen der deutschen Opfer der Militärdiktatur.

* Wir fordern den DFB, den Deutschen Sportverband und sportpolitische Entscheidungsträger auf, einen Menschenrechts-Verhaltenskodex für internationale Sportveranstaltungen zu entwickeln und seine Umsetzung zu garantieren.

* Wir fordern von der deutschen Bundesregierung eine offizielle Entschuldigung für die Versäumnisse der Deutschen Botschaft in Buenos Aires und des Auswärtigen Amtes während der argentinischen Militärdiktatur in den Jahren 1976-1983.

* Wir fordern alle Fußball interessierten Menschen dazu auf, sich stärker mit dem Thema "Fußball und Menschenrechte" auseinanderzusetzen

Weitere Informationen sowie die Ausstellung "Fußball und Menschenrechte". finden Sie auf unserer Webseite:
http://www.menschenrechte.org/Koalition/Aktuelles_Koalition.htm

Für Rückfragen:

Sprecher der Koalition:
Kuno Hauck, Tel: 0911-5408230, 0176 21 10 22 50

Sprecherin der Koalition:
Dr. Angelika Denzler: Tel: 07041 941035

Koordinator der Koalition: Esteban Cuya. Tel. 0911-230 5550

 

 

 
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