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Rede von Bianca Schmolze anlässlich
der Ausstellungseröffnung
"Elisabeth Käsemann: Ein Leben in Solidarität mit
Lateinamerika"
Gelsenkirchen,
20. Oktober 2007
Sehr geehrte
Damen und Herren,
Es ist uns eine große Ehre, als VertreterInnen der Koalition
gegen Straflosigkeit
gemeinsam mit Ihnen die Ausstellung zum Gedenken an das Leben von
Elisabeth Käsemann heute hier zu eröffnen und wir danken
ganz herzlich all jenen, die es möglich gemacht haben, die
Ausstellung hier in Gelsenkirchen zu zeigen.
Der Titel dieser
Ausstellung macht bereits deutlich, was Elisabeth Käsemann
in ihrem Leben als politisch engagierte Frau wichtig war: die Solidarität
mit den Menschen in Lateinamerika. Nachdem sie zunächst nach
Bolivien gegangen war, um mit Kindern, die in Elendsvierteln lebten,
zu arbeiten, ging sie nach Buenos Aires, um zu studieren, als Übersetzerin
ein wenig Geld zu verdienen und in den dortigen Elendsvierteln Kindern
das Lesen und Schreiben beizubringen.
Als im Jahr
1976 das Militär in Argentinien die Macht übernahm begann
Elisabeth in einem Untergrundnetzwerk mitzuarbeiten, welches Menschen,
die von dem Regime bedroht waren, ermöglichte, ins Ausland
zu fliehen. Doch wurde ihr Engagement für Gerechtigkeit und
Menschlichkeit nie als solches bewertet. Stattdessen wurde Elisabeth
für ihre Arbeit als so genannte Terroristin verfolgt. Damit
riskierte sie ihr Leben.
Am 9. März
1977 wird Elisabeth von Militärs verhaftet und in die Kaserne
der Ersten Armeekommandantur Palermo gebracht. Dort wird sie ununterbrochen
gefoltert. Ihre Freundin Diana Austin, ebenfalls verhaftet, kann
sie hören. Nach zwei Monaten wird Elisabeth in das berüchtigte
Konzentrationslager El Vesubio überführt, wo Folter, Vergewaltigungen
und andere Formen von Misshandlungen an der Tagesordnung standen.
Am 23. Mai 1977
wird Elisabeth gemeinsam mit anderen 15 Gefangenen von Militärs
ein letztes Mal abtransportiert. In Monte Grande wird sie unter
dem Vorwand einer angeblichen bewaffneten Auseinandersetzung zwischen
linken Extremisten und Militärs kaltblütig von hinten
erschossen. Die Ausstellung "Ein Leben in Solidarität
mit Lateinamerika" zeichnet nicht nur den Weg des Leids auf,
den Elisabeth Käsemann in Argentinien gehen musste, sondern
auch jenen ihrer Familie und FreundInnen, die sich für ihr
Leben einsetzten und auch heute noch für eine juristische Aufarbeitung
des Verbrechens kämpfen.
Den Weg ihrer
Freundin Diana Austin, die die Eltern von Elisabeth davon
unterrichtete, dass ihre Tochter von Militärs verschleppt worden
war und sich bereits im selben Jahr an Amnesty International wandte,
um die Deutsche Botschaft in Argentinien unter Druck zu setzen,
sich um die Freilassung Elisabeths zu bemühen.
Den Weg der
Eltern, die immer wieder versuchten, die Deutsche Botschaft in Buenos
Aires dazu zu bewegen, Auskunft über den Verbleib ihrer Tochter
zu geben. Doch stattdessen mussten sie dabei zusehen, dass von Seiten
der Botschaft keinerlei Schritte unternommen wurden. Stattdessen
erhielten die Eltern auf ihre Anfragen keine Antworten, sondern
nur Leugnungen und Lügen.
Der Weg des Vaters, Ernst Käsemann, der den Leichnam seiner
Tochter freikaufen musste, um ihn erneut obduzieren und beerdigen
zu können. Während all der Jahre musste er mit ansehen,
wie die deutsche Politik Wirtschaftsinteressen vor Menschenrechte
stellte. Denn um Atom- und Waffengeschäfte nicht zu gefährden,
unterließen es die deutschen Behörden, ihrer Hilfspflicht
für eine deutsche Staatsbürgerin nachzukommen. Das unmenschliche
Verhalten ging sogar so weit, dass die Nachricht über den Tod
Elisabeth Käsemanns erst 6 Tage nach ihrer Ermordung durch
die Deutsche Botschaft bekannt gegeben wurde - nur um das angesetzte
Freundschaftsspiel der deutschen und argentinischen Fußballmannschaft
nicht zu gefährden.
Erst der Weg,
den die Familie von Elisabeth Käsemann gemeinsam mit der Koalition
gegen Straflosigkeit gegangen ist, konnte einige Erfolge in der
juristischen sowie gesellschaftlichen Aufarbeitung ihres Falls verzeichnen.

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